Saif al-Islam Gaddafi, der bekannteste Sohn des 2011 gestürzten Langzeitherrschers Muammar Gaddafi, ist laut arabischen Medienberichten erschossen worden.
Ein Korrespondent von "Al Jazeera" meldete am Dienstag, dass der 53-Jährige in Zintan getötet wurde – jener Stadt, in der er seit mehr als zehn Jahren gelebt hatte. Bestätigt wurde sein Tod später von seinem politischen Berater Abdullah Othman.
Quellen aus dem politischen Umfeld von Saif al-Islam berichteten "Al Arabiya", dass vier bewaffnete Männer Mitten in der Nacht seine Residenz gestürmt hätten, nachdem sie die Überwachungskameras außer Betrieb gesetzt hatten. Demnach stellte sich Gadaffi den Angreifern im Garten entgegen und wurde gegen 2:30 Uhr (Ortszeit) erschossen.
Unklar ist bislang, wer hinter der Tat steckt. Zu den Hintergründen oder möglichen Tätern gibt es derzeit keine offiziellen Angaben. Auch die libyschen Behörden äußerten sich bisher nicht zu dem Vorfall.
Saif al-Islam hatte nie ein offizielles Amt inne, galt aber lange als die Nummer zwei im Machtgefüge seines Vaters. Zwischen 2000 und dem Sturz des Regimes 2011 spielte er eine zentrale politische Rolle – war auch gerne gesehener Gast in Österreich.
Bei seinem Studium in Wien hatte er Deutsch gelernt und sich mit dem Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider (FPÖ, später BZÖ) angefreundet.
In einer Döblinger Villa, in der er gemeinsam mit zwei weißen Tigern wohnte, feierte der Diktatoren-Junior rauschende Feste. Eines endete 2007 beinahe für eine junge Frau tödlich. Nach dem Unfalltod Haiders nahm Gadaffi auch an dessen Begräbnis im Oktober 2008 teil.
Saif al-Islam Gaddafi wurde noch im Revolutionsjahr in Zintan gefangen genommen und inhaftiert, nachdem er versucht hatte, nach dem Fall Tripolis' an die Opposition aus dem Land zu fliehen. Er wurde 2017 im Rahmen einer Generalamnestie freigelassen, blieb danach aber weiterhin in der Region.