In Kanada muss sich einer der reichsten Männer des Landes gleich vor zwei Gerichten verantworten. Es handelt sich hier um den in der Steiermark geborenen Frank Stronach. Der erste Verhandlungstag fand am Dienstag in Toronto statt. Ein weiteres Verfahren wartet auf den 93-Jährigen noch in Newmarket in der kanadischen Provinz Ontario.
Die Vorwürfe wiegen schwer und reichen Jahrzehnte zurück. Laut Angaben der Staatsanwaltschaft wird dem Austro-Kanadier von 13 Frauen sexuelle Übergriffe vorgeworfen. Stronach bestreitet dies.
Die erste Tat soll sich den Gerichtsdokumenten zufolge bereits im Jahr 1977 ereignet haben. Es geht hier um den Vorwurf der versuchten Vergewaltigung. Die weiteren Anschuldigungen stammen aus den 1980er-, 1990er- und frühen 2000er-Jahren. Die Vorfälle sollen sich angeblich in Toronto und Aurora zugetragen haben. Mutmaßliche Opfer sprechen von Vergewaltigung und sexuellen Übergriffen.
Auch noch im Frühjahr 2023 soll es zu mutmaßlichen Taten gekommen sein. Wegen der Vielzahl der Vorwürfe und ihres Alters wurde das Verfahren geteilt. Für Stronach gilt die Unschuldsvermutung.
In Kanada gibt es für sexuelle Übergriffe keine Verjährungsfrist, auch Jahrzehnte alte Vorwürfe können strafrechtlich verfolgt werden. Bei dem nunmehrigen Prozess in Toronto soll eine Richterin anstatt einer Jury über Schuld oder Unschuld entscheiden. Gegenüber der öffentlich-rechtlichen Canadian Broadcasting Corporation (CBC) begründete die Anwältin Stronachs diesen Schritt damit, dass ohne Geschworene "schneller und effizienter" gearbeitet werden könne.
Geboren wurde Frank Stronach 1932 in der Steiermark. Im Jahr 1956 gründete er jenes Unternehmen, aus dem später Magna International hervorging. Neben seiner Wirtschaftskarriere trat er auch politisch in Erscheinung: 2012 rief er in Österreich die Partei "Team Stronach" ins Leben, die inzwischen nicht mehr existiert. Österreichischen Sportfans ist er auch durch Investitionen im Fußball und Pferderennen ein Begriff.