Der austro-kanadische Milliardär Frank Stronach muss sich in Kanada vor Gericht verantworten. Am Dienstag startete in Toronto das erste von zwei geplanten Verfahren mehrerer historischer Fälle sexuellen Missbrauchs. Über Schuld oder Unschuld entscheidet ausschließlich eine Richterin, Geschworene sind nicht beteiligt.
Der 93-jährige Stronach, Gründer des Autozulieferers Magna International und einer der reichsten Männer Kanadas, weist alle Anschuldigungen zurück und hat sich auf nicht schuldig bekannt.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft umfasst der gesamte Komplex 18 Anklagepunkte. 13 Frauen werfen dem Unternehmer Übergriffe vor, die sich über einen langen Zeitraum erstrecken sollen. Die mutmaßlichen Taten sollen zwischen 1977 und 1990 passiert sein. Wegen der Vielzahl der Vorwürfe und ihres Alters wurde das Verfahren geteilt.
Der nun laufende Prozess in Toronto behandelt insgesamt zwölf Anklagepunkte. Ein weiterer Prozess in der York Region ist für das Frühjahr angesetzt. In Kanada gibt es für sexuelle Übergriffe keine Verjährungsfrist, auch Jahrzehnte alte Vorwürfe können strafrechtlich verfolgt werden.
Da sich die Anschuldigungen auf eine Zeit beziehen, in der andere rechtliche Grundlagen galten, muss Richterin Anne Malloy den Fall nach dem damals gültigen Strafrecht beurteilen. Die Kronanwaltschaft kündigte an, mehrere Zeuginnen sowie weiteres Beweismaterial vorzulegen.
Stronach selbst bestreitet die Vorwürfe vehement. Bereits im Jahr 2024 sagte er in einem Interview mit dem kanadischen Sender CBC: "Meine Freunde kennen mich, und viele meiner früheren Mitarbeiter wissen, wer ich bin. Das ist völlig gegen alles, wofür ich stehe."
Zuvor hatte CBC eine eigene Recherche veröffentlicht. Darin berichteten mehrere ehemalige Mitarbeiterinnen, von Stronach sexuell belästigt oder vergewaltigt worden zu sein. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung.
Geboren wurde Frank Stronach 1932 in Österreich. Im Jahr 1956 gründete er jenes Unternehmen, aus dem später Magna International hervorging. Neben seiner Wirtschaftskarriere trat er auch politisch in Erscheinung: 2012 rief er in Österreich die Partei "Team Stronach" ins Leben, die inzwischen nicht mehr existiert.