Seine Leidensgeschichte bewegte ganz Österreich, jetzt ist Samuel tot. Der junge Mann hatte sich für Sterbehilfe entschieden, weil er keinen Ausweg aus dem Horror seiner schweren ME/CFS-Erkrankung mehr sah. Am Freitag – seinem 22. Geburtstag – setzte er seinem Leben mittels assistiertem Suizid ein Ende.
Sein letzter Wunsch: Bewusstsein für die erschütternde Versorgungslage der Zehntausenden Betroffenen in Österreich zu schaffen. "Bitte helft mir, meine Geschichte zu verbreiten", schrieb Samuel als er vor knapp zwei Wochen sein Leiden öffentlich machte, um Bewusstsein für die Krankheit zu schaffen. Seine Botschaft ist so erschütternd wie klar: "ME/CFS TÖTET!"
Auch Samuels Arzt, der Neurologe Andreas Winkler, macht am Samstag im ORF-Interview deutlich, wie schlimm die Missstände im Gesundheitssystem für ME/CFS-Betroffene sind: "Es gibt zu wenige Anlaufstellen, es gibt auch keine ambulanten Dienste. Es gibt auch keine Kliniken, wo ich Versorgung und Unterstützung bekomme. Das ist alles erst im Aufbau und geht viel zu langsam", erhebt der Mediziner schwere Vorwürfe in Richtung Politik.
Um jedes bisschen an finanzieller Unterstützung in Form von Pflegegeld oder auch die Anerkennung von Behinderungsgraden müssten die Betroffenen teils sogar vor Gericht hart kämpfen – etwas, wozu sie aufgrund des Krankheitsbildes der chronischen Erschöpfung oft selbst nicht in der Lage sind.
ME/CFS werde nicht ernst genommen, oder ist vielen Verantwortlichen immer noch unbekannt, beklagt Winkler: "Hier gibt es große Probleme: Gutachter der Versicherungen kennen die Krankheit nicht, sollen sie aber beurteilen." Fehleinstufungen von ME/CFS als psychisches Leiden sind häufig.
Samuel selbst schrieb darüber: "ES GIBT FÜR DIESE KRANKHEIT KEIN EINZIGES MEDIKAMENT. Und in Österreich keine einzige Anlaufstelle, obwohl jeder 100ste betroffen ist. Die meisten Ärzte kennen diese Krankheit nicht einmal?! Die PVA selbst nennt uns Scharlatane und Trittbrettfahrer. Viele Betroffene bekommen genau 0€ im Monat. Kein Cent von der PVA, kein Cent vom AMS."
Suizidgedanken? Hol dir Hilfe, es gibt sie.
In der Regel berichten wir nicht über Selbsttötungen – außer Suizide erfahren durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit.
Wenn du unter Selbstmord-Gedanken oder Depressionen leidest, dann kontaktiere bitte die Telefonseelsorge unter der Nummer 142 – täglich 0-24 Uhr!
Eine Heilung gibt es derzeit nicht, doch könnte den Betroffenen dieser chronischen Multisystemerkrankung und ihren Familien wohl durch mehr Unterstützung mehr Lebensqualität geschenkt werden. Derart vom System im Stich gelassen zu werden, das macht auch etwas mit den Betroffenen, warnt Winkler: "Ich höre immer wieder den Satz: 'SO möchte ich nicht mehr leben'. Dieses SO, um das geht es!"