Früher waren Motorradfahren, Tauchen und Reisen seine Hobbys. Jetzt muss er sich lange ausruhen, wenn er nur fünf Seiten liest. "Mit meiner Tochter kann ich nur 20 Minuten spielen, dann bin ich zu erschöpft, jemand muss sie mir abnehmen", sagt er zu "Heute".
Der frühere Manager einer bekannten Onlinefirma ist permanent ausgelaugt. "Ich schlafe 14 Stunden und bin danach noch müder als vorher."
In Korneuburg (NÖ) ist der 45-Jährige daheim, arbeiten kann er seit der Covid-Infektion vor drei Jahren nicht mehr. Er probierte es kurz im Homeoffice: "Wenn ich mich eine Stunde konzentriere – also nur ein Bruchteil eines Arbeitstages – muss ich mich am nächsten Tag ausruhen, es geht nicht anders."
Die Diagnose: Long Covid und ME/CFS (schlimme chronische Multisystem-Erkrankung, Betroffene sind dauermüde). Etwa 80.000 Menschen in Österreich sind betroffen, sie alle sind stark eingeschränkt in ihrer Leistungsfähigkeit, sind konstant in einem Zustand der Erschöpfung.
Finanziell sieht es düster aus für Michael G. Seine Ärzte sagen alle, er habe ganz klar ME/CFS. Auch ein teures Privatgutachten bestätigt das. Für die Pensionsversicherung (PVA) ist das allerdings nicht so. Eine Gerichtsgutachterin beschäftigte sich 20 Minuten lang mit G. und kommt zu dem Ergebnis, er sei "depressiv".
Daraus ergibt sich: Er bekommt Rehabilitationsgeld (60 % seines früheren Gehalts) und muss wöchentlich zur Psychotherapie – er ist ja schließlich offiziell depressiv. "Auch nach so langer Zeit gibt es Gutachter, die nicht an die Krankheit ME/CFS glauben", sagt Michael G. fast schon resignierend.
"Ich zittere jetzt, ob ich eine neue Begutachtung durch die PVA machen muss." Seine große Befürchtung: Er wäre nicht der Erste, den die Gutachter vorzeitig wieder als arbeitsfähig deklarieren. Dann beginnt der Kreislauf erneut, er müsste wieder teurer Privatgutachten erstellen lassen und hoffen, dass sie akzeptiert werden.
Doch Michael G. kämpft mit verbleibender Kraft weiter um seine Gesundheit. "Ich versuche alles, habe schon 16.000 Euro für Heilversuche ausgegeben", sagt er.
Darunter eine Therapie mit Hämolaser: "Dabei wird das Blut direkt mit einem Laser bestrahlt, pro Termin eine dreiviertel Stunde lang." Leider blieb eine positive Wirkung für Michael G. aus.
Dann zahlte er sich privat zwei Blutwäschen. "Die Kassa zahlt da nichts, die sagen, das ist keine erwiesene Behandlung."
Dennoch gibt G. nicht auf: "Einer der Top-Experten geht davon aus, dass es reversibel ist – ich hoffe, dass ich wieder heil werde!"