Eine neue blaue Welle rollt an: Am Samstag bittet die FPÖ zu ihrem traditionellen Neujahrsempfang in Klagenfurt. Rund 5.000 Anhänger aus ganz Österreich werden in der Messehalle erwartet. Am Programm stehen Reden vom Klagenfurter Stadtparteiobmann und FP-Sicherheitssprecher Gernot Darmann, dem Kärntner FPÖ-Chef Erwin Angerer und Bundesparteiobmann Herbert Kickl.
Für die Rede des freiheitlichen Parteichefs sind 90 Minuten reserviert. Schon im Vorfeld der Veranstaltung wurde mit "Kickl kommt heim"-Plakaten geworben.
Um Punkt 11 Uhr betrat der blaue Sicherheitssprecher Darmann die Bühne und hielt die erste Rede. Er rief einen "Freiheitskampf für Österreich" aus, in Kärnten habe man diesen bereits erfolgreich gemeistert. Bei der Begrüßungsrunde rief er die Namen der zahlreichen FPÖ-Granden in den Bundesländern, im EU-Parlament und im Nationalrat auf, begleitet von tosendem Applaus. Angekommen bei Herbert Kickl gab es zudem "Herbert"-Rufe. Österreich habe "gute Jahre" notwendig, so Darmann. Dafür werde die FPÖ sorgen.
Als nächstes war Kärntens FPÖ-Obmann Erwin Angerer. In Kärnten würden aktuell "die Narren" regieren, in Wien sei das ein "Dauerzustand". Den Menschen im Land sei das Lachen vergangen, daher sei die "Zeitenwende", angeführt von Herbert Kickl, notwendig, so Angerer. Die "Einheitsparteien" hätten Österreich in den Abgrund geführt und Politik "vorbei an den Bedürfnissen der Österreicher" gemacht.
"Wir haben es satt. Es braucht einen Asylstopp und es muss abgeschoben werden – ohne Wenn und Aber", sagte Angerer. In Kärnten würde 108 Jahre nach der Monarchie würde die "Kaiserzeit" enden, gemeint war die Pension von SPÖ-Landeshauptmann Peter Kaiser.
"Es ist längst an der Zeit, dass wir die Führung in diesem Land übernehmen", forderte der Kärntner FP-Chef. "Zuerst das Volk, dann die Politik. Glück auf und alles Gute."
Zum Abschluss sprach der "Papa der freiheitlichen Familie", wie Herbert Kickl von den Moderatoren angekündigt wurde. Zuvor heizte die John Otti Band die Zuschauer noch mit dem Lied "Wir sind eine große Familie" ein.
Kickl begann seine Rede mit Dankesworten für den "großartigen Empfang" in der Halle. "Jetzt pumperlt mein Herz ein bissl schneller und Ganslhaut habe ich auch noch. Ihr seid hervorragend", so Kickl. Dieses Jahr werde "unser Jahr, ein freiheitliches Jahr. Egal, was drumherum passiert,, weil wir unser Ding durchziehen". Das Jahresmotto laute "immer vorwärts FPÖ", so der Parteiobmann.
Die Partei wird dieses Jahr 70 Jahre "jung", so Kickl. Zudem sei es 40 Jahre her, dass Jörg Haider das Kommando über die Partei übernommen hat. "Ab dem Moment ist der FPÖ ein neues Leben eingehaucht worden. Der Jörg war ein Schutzpatron der österreichischen Bevölkerung. Danke Jörg."
Nun seien die Haider-Erben dran, sagte der FP-Chef. "Wir werden alles daran setzen, dieses Jahr die Verlierer-Ampel in die Luft sprengen. Je früher, desto besser." Es sei von Anfang an eine "unglaubliche Fehlkonstruktion" gewesen, "ein Verrat an den Wählern", kritisierte Kickl. Es sei daher an der Zeit, "dass der blaue Blitz einschlägt".
Als nächstes werde es Neuwahlen geben, so Kickl. Gerüchte, dass es Verhandlungen mit der ÖVP über einen fliegenden Wechsel gebe, seien falsch. "Der erste, der bei mir mit so einem unmoralischen Angebot auftaucht, den schmeiß ich raus bei der Tür. Das könnt ihr mir glauben", stellte der Freiheitliche klar.
Kärnten sei für ihn ein Ort, in dem er viele schöne Jahre erlebt habe. "Ich habe meine Kärnter Wurzeln nie vernachlässigt. Je älter ich werde, destwo wichtiger werden mir meine Wurzeln."
Die Aufgabe der FPÖ sei es, die Macht dem Volk zurückgeben. "Es wird uns gelingen, Österreich wieder zu einem Land der Freiheit, der Sicherheit, dem Wohlstand und des Friedens zu machen. Die Zukunft Österreichs liegt in unseren Händen."
Gerade der Frieden sei ihm sehr wichtig. "Ich habe das Gefühl, dass dieses Bedürfnis von den Regiernenden verhöhnt wird", so Kickl. Es sei ein "schändliches Spiel mit dem Feuer". Es bedeute aber nicht, dass man sich für den Frieden alles erlauben müsse – "wir waren immer für ein starkes Bundesheer", sagte er. "Was ich meine: Wir dürfen uns niemals in Konflikte und Kriege hineinziehen lassen, die nicht die unseren sind. Unsere Söhne und Töchter geben wir nicht."
Österreichs Aufgabe sei Diplomatie und Mediation, "da müssen wir Spitzenreiter sein. Aber nicht, wenn es darum geht, Mitläufer und Beitragstäter zu sein, so wie unsere rosarote Außenministerin. Liebe Frau Meinl-Reisinger: Reden ist silber, schweigen ist gold." Die Ministerin handle "gemeingefährlich", warnte Kickl.
Anschließend kritisierte der FPÖ-Chef die Prioritätensetzung der Bundesregierung. "Überall wird gekürzt, nur nicht bei den Asylanten. Die genießen weiter ihren All-Inclusive-Urlaub." Beim Sparkurs, den "diese Wapplertruppe in Wien" fahre, würde Österreich sieben Milliarden Euro an Zinsen zahlen. "Das ist rausgeschmissenes Geld." Deswegen werde es neue Steuern geben, prophezeihte der FPÖ-Chef.
Ein Rückblick auf die vergangene Woche: Die neuen Maßnahmen der Regierung – Billigstrom und Mehrwertsteuersenkung auf Grundnahrungsmittel – seien "eine Pflanzerei". Die Präsentation sei kein Neujahresstart gewesen, sondern "eine Panikattacke der Verlierer-AMpel vor laufenden Kameras".
Kickl nahm zudem die 2-1-0-Formel des Bundeskanzlers ins Visier. Sein Ziel, ein Prozent Wirtschaftswachstum zu erreichen, sei "ein Schneckentempo". Österreich liege mit einem Prozent Wirtschaftswachstum international auf Platz 185, knapp vor Äquatorialguinea und Mikronesien, sagte Kickl.
Der FPÖ-Chef läutete eine "neue Ära" unter freiheitlicher Führung ein. "An unsere Gegner sage ich nur eins: Eure Zeit ist vorbei."
Kritik gab es zudem an Bundespräsident Alexander Van der Bellen und seiner Neujahresrede, von der der FP-Chef "geschockt" gewesen sei. Der Präsident forderte dabei u.a. stärkeren EU-Patriotismus. Kickl: "Ich weiß gar nicht, wie man auf so eine Idee kommen kann. Da gibt es bei mir keinen Patriotismus dafür. Das ist ein Ding der Unmöglichkeit." Stattdessen forderte er "Österreich-Patriotismus", doch dieser sei nicht erwünscht. "Dabei ist es das allernormalste auf der Welt und das Gebot Nummer 1 für jeden österreichischen Politiker."
Van der Bellen forderte zudem einen politischen Kompromiss. "Auch da habe ich Ganslhaut bekommen", so Kickl. Den Kompromiss bezeichnete er als "politische Kuhhandel und Tauschbasar". Hinter diesen Deals würde ein einziges Ziel stecken: "Der Machterhalt für die Einheitsparteien." Kickl stehe stattdessen für Entschlackung und Motivation. "Runter mit den Steuern für die, die was hackln."
Der FP-Chef forderte "klare Verhältnisse", dazu zähle unter anderem Remigration. "Ich habe überhaupt kein Problem damit, dieses Wort auszusprechen", so Kickl. Es gehe jetzt darum, zu entscheiden, was der Bevölkerung wichtig sei und was nicht. "Wir müssen diese Entscheidung klar treffen und Verantwortung übernehmen. Deshalb bedeuten klare Verhältnisse, dass wir eine noch viel stärkere freiheitliche Partei brauchen", sagte er und versprach: "Wir werden gemeinsam erfolgreich sein. Österreich braucht keine aufgewärmten Altkanzler. Es braucht einen neuen, frischen Volkskanzler, der die Seele des Volkes versteht und auch danach handelt."