"Offener Brief an den Präsidenten der Russischen Föderation."
Mit diesen Worten veröffentlicht der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ein langes Schreiben, in dem er sich direkt an seinen russischen Amtskollegen wendet. Ungewohnte, teils schon versöhnliche Töne lässt er darin anklingen, macht aber unmissverständlich klar: Die Ukraine wird nicht aufgeben.
Der Brief zieht eine bittere Bilanz aus den 26 Jahren von Putins Herrschaft. Selenskyj betont darin, dass der Krieg eine rein persönliche Entscheidung Putins sei, die nun zunehmend auch die russische Bevölkerung im Alltag (durch Inflation, Treibstoffmangel und Drohnenangriffe im russischen Hinterland) einholt.
"Als Sie vor mehr als 26 Jahren die Führung Russlands übernahmen, standen Ihnen viele in der Ukraine positiv gegenüber", spricht er Putin schon eingangs direkt an. "Das war so. Das gehört der Vergangenheit an."
Gegen Ende hin dann der direkte Vorschlag: "Die Ukraine schlägt vor, diesen Krieg durch direkte Gespräche zwischen uns – und Ihnen – zu beenden. Ich schlage ein Treffen vor."
Gleich mehrere Länder würden für eine Austragung infrage kommen: die Schweiz, die Türkei, arabische Staaten und viele weitere. Österreich wird nicht namentlich erwähnt.
Brisant: Zeitgleich äußerte sich auch Wladimir Putin am Rande des internationalen Wirtschaftsforums in St. Petersburg gegenüber Journalisten zum Krieg. "Wir sind absolut bereit und willens, auf friedlichem Wege mit der Ukraine eine Vereinbarung zu erzielen", so der Kreml-Chef. Bedingung sei dabei aber die vollständige Kontrolle über Donezk und Luhansk.