Sie sind die Herzen ihrer Teams. Mit Xavi und Andrea Pirlo stehen einander am Sonntag (18.00 Uhr) in Danzig (Gdansk) im Schlager der Fußball-EM-Gruppe C zwischen Spanien und Italien zwei Spielgestalter der alten Schule gegenüber - und noch dazu zwei der besten ihres Fachs. Die beiden zentralen Mittelfeldspieler glänzen durch ihre Technik, ihre Übersicht, aber auch ihren Instinkt für den entscheidenden Pass.
Die Form von Xavi und Pirlo dürfte den Ausgang entscheidend beeinflussen. Jene von Barcelona-Regisseur Xavi war zuletzt nicht immer überragend. Wozu der 32-Jährige fähig ist, hat er aber bereits bei der EURO 2008 in Österreich und der Schweiz unter Beweis gestellt. Damals wurde der Katalane als Organisator des spanischen Kurzpassspiels zum Spieler der Turniers gewählt. Zwei Jahre später führte er sein Team auch zum WM-Titel.
Lob für Xavi aus Italien
Auch die Gegner streuen dem 1,70-Meter-Mann Rosen. "Es macht Spaß, die Spanier spielen zu sehen", gestand Italiens Daniele De Rossi, der anstelle des verletzten Andrea Barzagli von seiner angestammten Position im Mittelfeld ins Zentrum einer Dreierabwehr rücken dürfte. "So ein Mittelfeld hat es in der Geschichte des Fußballs noch nie gegeben", meinte De Rossi. "Spanien ist so reich an Talenten - aber über allen steht für mich Xavi."
Xavi hat alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt
Der Spielmacher stammt aus der Barca-Jugend, hat mit seinem Club bereits sechs Meistertitel und dreimal die Champions League geholt. Dagegen liest sich die Statistik von Pirlo, Italiens erfolgreichstem Titelsammler der jüngeren Vergangenheit, fast schon bescheiden: Wie Xavi 2010 war der Regisseur 2006 mit Italien bereits Weltmeister. Dazu gewann er mit dem AC Milan und zuletzt mit Juventus Turin drei Meistertitel und zweimal die Champions League.
"Pirlo holt Titel"
Im Gegensatz zum exzentrischen Sturmduo Mario Balotelli/Antonio Cassano kann Pirlo Spiele selten im Alleingang entscheiden - höchstens mit ruhenden Bällen. Für das Nationalteam ist er dennoch unersetzlich. "Balotelli gewinnt Spiele, Pirlo holt Titel", beschrieb Spaniens Innenverteidiger Gerard Pique den Einfluss der beiden Topstars. Mit beinahe stoischer Ruhe führt Pirlo im zentralen Mittelfeld Regie. Das Spielverständnis des 33-Jährigen sucht trotz schwindender Spritzigkeit seinesgleichen.
Milan-Urgestein
Dabei war Pirlo im Vorjahr nach dem Meistertitel von Milan-Trainer Massimiliano Allegri aussortiert worden - ein fataler Fehler, wie sich herausstellte. Der Lombarde wechselte nach zehn erfolgreichen Jahren in Mailand verbittert nach Turin, blühte dort aber noch einmal auf. Pirlo führte Juve ohne Niederlage zum Meistertitel, dem ersten seit der Rückkehr ins Oberhaus - eine süße Rache, die der sonst so stille Star genoss. Pirlo: "Eigentlich muss ich Allegri danken, dass er mich nicht mehr wollte."
APA/red.