Wiener Katakomben statt Glitzerregen, Engelschöre statt Easy-Pop. Willkommen beim wohl dunkelsten Beitrag des österreichischen Vorentscheids "Vienna Calling".
Der Glam-Pop-Rocker mit Bohemien-Punk-Attitüde ist kein Unbekannter: 2023 landete Nikotin mit "1010" einen kleinen Hit und schaffte es damit sogar ins Vorprogramm von Robbie Williams beim Ski-Opening in Schladming. Songs wie "Goldener Traum" oder "Kaiser von Österreich" folgten. Jetzt will er mehr: die ESC-Bühne. Und dort dann den Sieg.
Gemessen an seinen Lyrics bleibt Nikotin dabei ganz er selbst. Zeilen wie "Dicke Luft in der Ahnengruft" oder "Herzlich willkommen in den Wiener Katakomben" lassen keinen Zweifel: Das ist kein Song zum Nebenbei-Hören. Sondern ein Statement.
Gemanagt wird Nikotin übrigens von Horst Bork, jenem Mann, der einst Falcos Karriere begleitete. Zufall? Wohl kaum. Auch Nikotin denkt groß. Sehr groß. "Unsterblich will ich werden", singt er. Zumindest musikalisch.
Doch hinter dem Pathos steckt echte Emotion. Der Song ist seinem Vater gewidmet, den Nikotin im vergangenen Jahr verloren hat. Ein Schicksalsschlag, der den Künstler verändert hat. Im Ö3-Pop-Podcast ringt er erstmals öffentlich um Worte: "Ich war darauf nicht vorbereitet. Trauer, Wut, Aggression – es tut immer noch so weh."
Diese Gefühlswelt hört man "Unsterblich" an. Der Track fährt epochal auf, mit Engelschören, treibenden Beats und einer fast filmischen Dramaturgie. Inhaltlich kreist alles um Leben, Tod und um die Frage, ob wir dank Technologie irgendwann wirklich länger leben werden. Eine Idee, die Nikotin zugleich fasziniert und beunruhigt.
Für Wien als ESC-Gastgeber bringt der Song jedenfalls genau die richtige Dosis Dekadenz mit. Und während andere Kandidaten vom "Dabeisein" sprechen, ist Nikotin klar: Er will nicht mitmachen. Er will gewinnen.
Ob es am 20. Februar beim ORF-Vorentscheid tatsächlich für das ESC-Ticket reicht, bleibt offen. Sicher ist nur: Dieser Song könnte für Gesprächsstoff sorgen.