Mit diesem Namen hat im österreichischen ESC-Vorentscheid kaum jemand gerechnet. Nikotin, bekannt für intensive, kantige Songs und alles andere als "Happy-Pop", steht plötzlich vor der größten Bühne Europas. Für ihn selbst kam der Schritt genauso überraschend wie für viele Fans. "Ja, für mich war es total unerwartet", sagt er ehrlich im Gespräch mit "Heute".
Der Weg zum ESC-Vorentscheid "Vienna Calling" (20. Februar) begann unspektakulär: mit einer Anfrage. Kein Masterplan, kein Song Contest-Traum seit Kindertagen. "Ich bin gefragt worden, ob ich das machen möchte." Zunächst schickte Nikotin einen Song ein, der typisch für ihn war. Doch kurz vor der entscheidenden Casting-Runde änderte sich alles. Er setzte sich noch einmal hin – mit einer klaren Vorstellung vor Augen. "Ich schreibe was, was in diesem ESC-Rahmen irgendwie passt und ich schreibe was, was mit Licht und Fernsehen und Show irgendwie passt und das war eine ziemliche Challenge, aber es ist sie irgendwie ganz gut ausgegangen."
Das Ergebnis heißt "Unsterblich", ein Song, der sich nicht anbiedert, sondern Raum lässt. Raum für Interpretation, Emotion und Reibung. Wer einen typischen ESC-Ohrwurm erwartet, wird überrascht. Nikotin macht keinen Hehl daraus. Der Song sei nicht kalkuliert entstanden, sondern – wie immer bei ihm – aus dem Moment heraus. "Ich habe jetzt nicht gesagt, ich schreibe jetzt bewusst einen Song, der voll auffällt oder so, sondern ich schreibe das, was gerade passiert, so wie es immer ist." Und weiter: "Das kommt von von oben. Das passiert einfach. Oder es passiert nicht."
Als der Anruf kam, war Euphorie nicht das erste Gefühl. Im Gegenteil. "Nein, nein das war so, ich muss jetzt echt mal darüber nachdenken, sehe ich mich dort? Passe ich da rein? Passt mein Songwriting da rein?" Besonders wichtig war ihm, sich selbst nicht zu verraten. "Ich wollte jetzt nicht irgendwie einen Track schreiben oder einen Track haben, der nichts mit meinen anderen Tracks zu tun hat, weil das wäre für mich Hochverrat an mich selber."
"Anfangs war es für mich echt so: Möchte ich dabei sein und das Beste geben, oder möchte ich gewinnen? Jetzt ist es für mich ganz klar, weil so viel Arbeit drin steckt, dass ich sage, ich gewinne das." Ob das eine bewusste Manifestation sei? "Ja, ich gewinne das", will er Österreich beim großen Finale des 70. Eurovision Song Contest in der Wiener Stadthalle am 16. Mai vertreten.
Die oft zitierte Angst vor dem "ESC-Stempel" beschäftigt ihn nicht. "Nein, so weit denke ich noch gar nicht." Für Nikotin ist der Song Contest kein Bruch, sondern ein nächster Schritt. "Das ist passiert. Ich nehme das mit. Ich finde das cool. Es ist die größte Bühne, so gesehen, der Welt." Während andere Acts nach dem ESC erst nachlegen müssen, ist bei Nikotin bereits alles vorbereitet. "Ich habe alles ready und auf Knopfdruck bereit. Alles, was jetzt kommt, ist ein Plus."