Die Welt ist nach Einschätzung eines internationalen Expertengremiums heute nicht besser auf eine neue Pandemie vorbereitet als noch vor zehn Jahren. Zum Auftakt der WHO-Jahrestagung in Genf warnten Fachleute vor wachsender Spaltung, sinkendem Vertrauen und ungleichen Chancen beim Zugang zu Schutzmaßnahmen.
Eine neue Pandemie würde laut Bericht auf eine Welt treffen, die stärker gespalten, höher verschuldet und weniger in der Lage sei, ihre Bevölkerung zu schützen als noch vor einem Jahrzehnt. Die Experten hatten den Auftrag, die weltweite Vorsorge auf Gesundheitskrisen und Pandemien zu bewerten.
Im Bericht heißt es: "Das Vertrauen schwindet: zwischen Regierungen und Bürgern, zwischen Ländern, in multilaterale Organisationen, in die Wirtschaft". Zudem würden "tief verwurzelte Ungleichheiten" etwa beim Zugang zu Informationen, Finanzmitteln, Schutzausrüstung und Impfstoffen sichtbar.
Auch andere Entwicklungen würden die Risiken verschärfen. "Der Klimawandel und bewaffnete Konflikte verschärfen die Risiken", heißt es weiter. Geopolitische Zersplitterung und wirtschaftliche Eigeninteressen würden gemeinsames Handeln zusätzlich erschweren.
Das Global Preparedness Monitoring Board (GPMB), das 2018 von WHO und Weltbank gegründet wurde, fordert deshalb eine unabhängige Risikoüberwachung, gleichen Zugang zu Schutzmaßnahmen weltweit und mehr Geld für den internationalen Pandemiefonds.
WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus sagte bei der Eröffnung des Treffens: "Wir leben in schwierigen, gefährlichen und von Spaltung geprägten Zeiten."
Überschattet wird die Konferenz auch von einem Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo. Die WHO hatte deshalb eine internationale Gesundheitsnotlage ausgerufen. Die Gefahr einer Ausbreitung nach Europa gilt laut WHO als gering.
Nicht zustande kommt bei der Konferenz vorerst die geplante Verabschiedung des sogenannten Pabs-Systems. Es soll regeln, wie Länder entschädigt werden, wenn sie Krankheitserreger für die Entwicklung von Impfstoffen und Medikamenten teilen. Der Pandemie-Vertrag selbst wurde bereits beschlossen, die Ratifizierung kann aber erst nach einer Einigung über Pabs beginnen.