Nach dem Ausbruch von Mensch zu Mensch übertragener Hantavirus-Infektionen auf dem Kreuzfahrtschiff "MV Hondius" im Atlantik muss jetzt das österreichische Gesundheitsministerium reagieren!
Zwar befand sich laut Ministerium kein Österreicher an Bord des betroffenen Schiffs, dennoch gibt es nun auch eine Spur in die Alpenrepublik. Wie das Gesundheitsministerium am Mittwochnachmittag bekanntgab, befand sich ein Staatsbürger "räumlich entfernt" gemeinsam mit einem bestätigten Fall im selben Flugzeug – und das landete schlussendlich in Wien-Schwechat.
Wie "Heute" erfuhr, kam es während des Boardings in Johannesburg (Südafrika) zu dem möglichen Kontakt. Die infizierte Person habe sich auf ihrem Platz niedergelassen. Nach kurzer Zeit sei es ihr aber gesundheitlich so schlecht gegangen, dass sie den Flieger vor dem Start wieder verlassen musste.
Die Person aus Österreich habe im selben Flieger aufgehalten. Zwei weitere Passagiere, die sich ebenfalls dort befunden hatten, sind von Schwechat aus weitergereist und nicht mehr im Land.
Der betroffene Österreicher gilt laut Behörden deshalb nur als Niedrigrisiko-Kontaktperson. Er sei entsprechend informiert worden und zeige bislang keinerlei Symptome. Auch nach aktuellem Wissensstand sei eine tatsächliche Ansteckung "äußerst unwahrscheinlich", heißt es aus dem Ministerium.
Außerhalb des Kreuzfahrtschiffs wurden mehrere Kontaktpersonen ausfindig gemacht. Einige davon entwickelten zwar Symptome, fielen bei Tests bisher aber negativ aus. Um eine mögliche Ausbreitung frühzeitig zu stoppen, müssen Verdachts- und Erkrankungsfälle an von Mensch zu Mensch übertragenem Hantavirus künftig sofort an die zuständige Bezirksverwaltungsbehörde gemeldet werden. Nur so könne die rasche Nachverfolgung von Kontaktpersonen und das rechtzeitige Einleiten von Maßnahmen sichergestellt werden.
Hantavirus - was du jetzt wissen musst
▶ Typische Übertragung: In der Regel durch Einatmen von aufgewirbeltem, viruspartikelhaltigem Staub (Kot, Urin, Speichel von Mäusen).
▶ Ausnahme Andes-Virus: Nur bei diesem spezifischen Hantavirus-Typ wurde eine Übertragung zwischen Menschen nachgewiesen.
▶ Mensch-zu-Mensch-Übertragung: Primär bei sehr engem, längerem Kontakt mit Infizierten, oft im familiären Umfeld oder bei der Pflege.
▶ Ansteckungsfähigkeit: Infizierte Personen mit dem Andes-Virus können bereits ab Beginn leichter Symptome ansteckend sein.
▶ Symptome: Plötzlich hohes Fieber, Kopf-/Gliederschmerzen, Nierenprobleme.
▶ Inkubationszeit: Meist 2 bis 4 Wochen, in einigen Fällen nur fünf Tage.
▶ Gefahr: Schwere Verläufe mit Nierenversagen möglich, aber selten.
▶ Behandlung: Erfolgt rein symptomatisch, da keine spezifischen antiviralen Medikamente zur Heilung existieren.
Auch Ärzte und Gesundheitspersonal wurden gewarnt: Das Ministerium empfiehlt im Umgang mit möglichen Patienten konsequent Schutzkleidung wie Handschuhe, Schutzkittel, Augenschutz und Atemschutzmasken. Zudem müsse strikt auf Händehygiene geachtet werden.
Der Ausbruch auf der "MV Hondius" begann Anfang April 2026 auf einer Expeditionskreuzfahrt von Argentinien Richtung Afrika. Erst Wochen später wurde klar, dass sich an Bord die gefährlichste bekannte Form des Hantavirus ausgebreitet hatte – die sogenannte Andes-Variante. Diese ist besonders heikel, weil sie im Gegensatz zu anderen Hantaviren auch direkt von Mensch zu Mensch übertragen werden kann.
Als mutmaßlicher "Patient Null" gilt der 70-jährige Niederländer Leo S. Der begeisterte Vogelbeobachter soll sich kurz vor Reisebeginn auf einer Müllhalde nahe Ushuaia in Argentinien infiziert haben. Dort dürfte er mit Kot infizierter Nagetiere in Kontakt gekommen sein. Wenige Tage nach dem Ablegen entwickelte er Fieber, Husten und Durchfall. Am 11. April starb er. Seine Ehefrau infizierte sich ebenfalls und verstarb später auf St. Helena. Insgesamt wurden bisher elf Fälle registriert, drei Menschen starben, zwei weitere gelten als kritisch krank.
Nachdem der Hanta-Ausbruch Anfang Mai bestätigt worden war, durfte die "MV Hondius" nicht mehr in Kap Verde anlegen. WHO- und ECDC-Experten gingen an Bord und organisierten die Evakuierung nach Teneriffa. Insgesamt 122 Passagiere und Besatzungsmitglieder wurden unter strengen Sicherheitsmaßnahmen ausgeflogen und mussten in ihren Heimatländern in Quarantäne.
Besonders aufmerksam verfolgen die Behörden nun mögliche Folgefälle. So wurde etwa in Italien ein Mann mit Symptomen isoliert, der zuvor neben einer später verstorbenen Niederländerin im Flugzeug gesessen war. Wegen der langen Inkubationszeit von bis zu acht Wochen schließen WHO und ECDC laut "Newsflix" weitere Fälle unter ehemaligen Passagieren nicht aus.
Trotz der hohen Sterblichkeit der Andes-Variante – sie liegt laut Experten bei bis zu 40 Prozent – geben WHO und Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC= für die Allgemeinheit vorsichtig Entwarnung. Beide Organisationen betonen übereinstimmend, dass die Gefahr für die Bevölkerung "sehr gering" sei. Der Grund: Das Virus ist deutlich schwerer übertragbar als etwa Corona. Während ein Covid-Infizierter im Schnitt mehrere weitere Personen ansteckte, liege die sogenannte Basisreproduktionszahl beim Hantavirus laut WHO "praktisch bei null".
Auch ECDC verweist darauf, dass die Andes-Variante "nicht leicht übertragbar" sei. Größere Ausbrüche oder gar eine Pandemie gelten deshalb als äußerst unwahrscheinlich – vorausgesetzt, Quarantäne- und Schutzmaßnahmen werden konsequent eingehalten.