Nach dem Ausbruch des Hantavirus auf dem niederländischen Kreuzfahrtschiff "Hondius" wird eine Kontaktperson, die nach Deutschland ausgeflogen wurde, im Universitätsklinikum Düsseldorf auf das Hantavirus untersucht. Der Erreger wird normalerweise von Nagetieren auf Menschen übertragen.
Bei dem Virustyp, der in Südamerika vorkommt und als Auslöser der Erkrankungen auf der "Hondius" vermutet wird, ist auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch möglich. Einen Impfstoff gibt es derzeit nicht, die vorhandenen Medikamente können nur die Symptome lindern. Hier ein Überblick:
Hantaviren gibt es auf allen Kontinenten. Der Name stammt vom Fluss Hantan zwischen Nord- und Südkorea. Während des Korea-Kriegs von 1950 bis 1953 erkrankten mehr als 3.000 Soldaten schwer an dem Virus.
Weltweit existieren viele verschiedene Hantavirus-Typen, die sich sowohl in ihrer Verbreitung als auch im Krankheitsbild unterscheiden. Laut Robert-Koch-Institut (RKI) werden sie in erster Linie über Nagetiere übertragen. Nur bei einem südamerikanischen Virustyp, dem bei Passagieren von der "Hondius" in der Schweiz und in Südafrika nachgewiesenen Andesvirus, ist laut RKI "in seltenen Fällen und bei engem Kontakt" eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung möglich.
Die Übertragung auf den Menschen passiert meist über infizierte wilde Nagetiere wie Mäuse oder Ratten. Der Erreger befindet sich im Speichel, Urin und Kot der Tiere. Du kannst dich durch einen Biss eines infizierten Nagers, durch Körperkontakt, das Berühren von Ausscheidungen oder das Einatmen von Staub, der mit dem Virus belastet ist, anstecken. Das kann zum Beispiel im Wald, bei der Feld- oder Gartenarbeit oder in Gebäuden passieren, die lange leer standen.
Das RKI weist darauf hin, dass das Virus in der Umwelt mehrere Wochen überleben kann. Für eine Ansteckung ist also kein direkter Kontakt mit den Nagern notwendig. Schon das Hantieren im Keller oder im Schuppen oder das Umschichten von Feuerholz kann für eine Ansteckung ausreichen.
Laut RKI kann eine Infektion auch durch den Kontakt von verletzter Haut mit kontaminierten Materialien, mit Staub oder durch den Verzehr von Lebensmitteln passieren, die mit Ausscheidungen infizierter Nagetiere verunreinigt sind.
In Deutschland besteht Meldepflicht für Hantavirus-Erkrankungen. Im Süden und Westen Deutschlands ist laut RKI die Rötelmaus der wichtigste Überträger, im Norden und Osten wird die Brandmaus mit Infektionen in Verbindung gebracht.
Die Inkubationszeit liegt meist zwischen zwei und vier Wochen, manchmal treten die ersten Symptome aber schon nach fünf Tagen oder erst nach 60 Tagen auf.
Die Beschwerden bei einer Hantavirus-Infektion können unterschiedlich stark ausfallen. Meist bekommst du grippeähnliche Symptome wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen. In manchen Fällen kann die Krankheit aber tödlich enden.
Infektionen mit südamerikanischen Andesviren unterscheiden sich laut RKI deutlich von den in Deutschland vorkommenden Hantaviren: "Während hierzulande überwiegend mildere Verläufe mit Nierenbeteiligung auftreten, können die südamerikanischen Hantaviren ein schweres pulmonales Krankheitsbild mit rascher Verschlechterung und hoher Letalität (Sterblichkeit) verursachen", so das Institut.
Die zwei häufigsten durch Hantaviren ausgelösten Krankheiten sind das sogenannte Hantavirus-induzierte (kardio-)pulmonale Syndrom (HPS oder HCPS) und das Hämorrhagische Fieber mit renalem Syndrom (HFRS), bei dem es auch zu Nierenproblemen bis hin zum Nierenversagen kommen kann. Das HFRS wird durch europäische und asiatische Virenstämme ausgelöst, das HPS oder HCPS durch Hantaviren aus Nord- und Südamerika. Infektionen mit den amerikanischen Virenstämmen können zu Komplikationen wie Lungenödemen und akutem Lungenversagen führen.
Laut der US-Gesundheitsbehörde CDC liegt die Todesrate bei Menschen, die nach einer Hantavirus-Infektion Atemwegsprobleme entwickeln, bei 38 Prozent. Die kanadische Gesundheitsbehörde gibt an, dass weltweit jährlich rund 200 Lungenerkrankungen durch das Hantavirus gemeldet werden, die meisten davon in Nord- und Südamerika.
Ein bekannter Fall ist der von Betsy Arakawa Hackman, der Frau von Hollywood-Star Gene Hackman. Die 63-Jährige starb im Februar des Vorjahres laut Autopsiebericht an einer Hantavirus-Infektion. Ihre Leiche wurde gemeinsam mit der ihres Mannes in ihrem Haus in Santa Fe im US-Bundesstaat New Mexico gefunden. Der an Alzheimer erkrankte Schauspieler war laut Ermittlungen eine Woche nach seiner Frau an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung gestorben.