Nach dem tödlichen Hantavirus-Ausbruch auf einem Kreuzfahrtschiff im Atlantik geht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) von einer Übertragung von Mensch zu Mensch aus. Bislang wurden zwei Infektionen mit dem gefährlichen Virus bestätigt, zudem gibt es fünf mutmaßliche Infektionsfälle, wie die WHO am Dienstag erklärte.
Drei Passagiere des Kreuzfahrtschiffs "Hondius" starben. Unter den Toten: Ein niederländisches Ehepaar und eine Deutsche. Die WHO sucht unterdessen nach Passagieren eines Fluges von St. Helena nach Johannesburg Ende April, bei dem eine später am Hantavirus verstorbene Kreuzfahrt-Reisende an Bord war.
Während der Kreuzfahrt von Ushuaia in Argentinien zu den Kapverden vor der Küste Westafrikas hätten sich zwischen dem 6. und 28. April Krankheitsfälle auf dem Schiff mit knapp 150 Insassen ausgebreitet, erklärte die WHO. Der erste auf dem Schiff erkrankte Passagier habe sich vermutlich schon vor Beginn der Reise infiziert, sagte die WHO-Epidemiespezialistin Maria Van Kerkhove am Dienstag in Genf. Anschließend habe sich das Virus dann vermutlich an Bord von Mensch zu Mensch ausgebreitet.
Ein erster Passagier aus den Niederlanden war nach Angaben des Kreuzfahrtunternehmens Oceanwide Expeditions am 11. April an Bord gestorben. Seine Frau ging am 24. April auf der Insel St. Helena von Bord, um den Leichnam ihres Mannes nach Hause zu begleiten.
Einen Tag später flog die laut WHO an Symptomen einer Magen-Darm-Erkrankung leidende Witwe nach Johannesburg. Noch während des Fluges habe sich ihr Zustand deutlich verschlechtert, die Frau starb einen Tag später in Johannesburg im Krankenhaus. Labortests ergaben laut WHO jetzt, dass sie mit dem Hantavirus infiziert war. Nun werde nach Mitreisenden der Frau auf dem Flug von St. Helena nach Johannesburg gesucht, erklärte die Weltgesundheitsorganisation.
Ein schwer kranker Patient wird in Südafrika auf der Intensivstation behandelt, drei weitere haben leichtere Symptome und befinden sich laut WHO weiterhin an Bord des vor der Küste der Kapverden liegenden Schiffs. Die Behörden von Kap Verde weigern sich, die Passagiere an Land zu lassen.
Am Dienstagabend dann die Wende: Wie Oceanwide Expeditions mitteilte, sollen zwei erkrankte Personen an Bord sowie ein Angehöriger des dritten Todesopfers mit zwei Spezialflugzeugen ausgeflogen und in die Niederlande gebracht werden. Die Flieger seien bereits am Weg.
Danach soll das Schiff nach Gran Canaria oder Teneriffa fahren, was drei Tage in Anspruch nehmen würde. Gespräche mit den spanischen Behörden seien bereits im Gange, einen genauen Zeitplan könne man jedoch nicht verraten.
Auch die WHO-Epidemiespezialistin Maria Van Kerkhove sprach davon, dass das Schiff auf die Kanarischen Inseln fahren soll. Spanien habe sich bereit erklärt, die "Hondius" anlegen zu lassen, sagte Van Kerkhove. Ziel sei es, den Vorfall zu untersuchen, das Schiff gründlich zu desinfizieren und das Risiko für die verbleibenden Passagiere zu bewerten.
Das spanische Gesundheitsministerium erklärte dagegen, bislang sei keine Entscheidung über den weiteren Weg der "Hondius" und ein mögliches Anlegen in einem Hafen der Kanaren gefallen. Diese sei abhängig von Daten, die während deren Aufenthalt vor der Küste der Kapverden gesammelt worden seien.
Hantaviren werden üblicherweise über die Ausscheidungen von Nagetieren übertragen und lösen schwere Atemwegserkrankungen aus. In seltenen Fällen ist nach Angaben der WHO jedoch auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch möglich. Dies ist zum Beispiel bei einem in Südamerika verbreiteten Virusstamm namens Andes der Fall. Die "Hondius" hatte ihre Reise in Argentinien begonnen.
"Es gibt viele Unklarheiten, und das ist das Schwierigste an der Lage", berichtete der "Hondius"-Passagier Jake Rosmarin von Bord in seinem Online-Reisetagebuch. "Alles, was wir jetzt wollen ist, uns in Sicherheit zu fühlen, klare Antworten zu erhalten und nach Hause zurückzukehren."