Ecclestones Anwälte wollen Anklage entkräften

Bild: TOBIAS HASE (DPA)

Im Korruptionsprozess gegen Bernie Ecclestone haben am Freitag in München zwei Zeugen Zweifel an den Aussagen des Formel-1-Chefs genährt. Die beiden früher mit dem Fall befassten Staatsanwälte sagten am Freitag vor dem Landgericht München, Ecclestone habe kein plausibles Motiv für seine Zahlungen an den früheren BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky genannt.

"Wir haben versucht, das herauszuarbeiten, aber es ist uns nicht genauer gelungen", erklärte Oberstaatsanwältin Hildegard Bäumler-Hösl. Beide Beamte haben den Fall an Kollegen abgegeben, weil sie mittlerweile auf andere Stellen gewechselt sind.

Ecclestone soll Gribkowsky bestochen haben 

Hintergrund des Gerichtsverfahrens ist der Ausstieg der Bayerischen Landesbank aus der Rennserie vor acht Jahren. Ecclestone soll laut Staatsanwaltschaft Gribkowsky bestochen haben, damit dieser den Formel-1-Anteil dem von Ecclestone gewünschten Investor CVC zuschanzte. Unbestritten ist, dass Gribkowsky auf Betreiben des Sportmanagers 44 Millionen US-Dollar erhielt.

Der 83-jährige Formel-1-Chef hatte den Bestechungsvorwurf zu Prozessbeginn erneut zurückgewiesen. Vielmehr habe Gribkowsky damals durchblicken lassen, er könne Ecclestone bei den britischen Steuerbehörden anschwärzen, hatte der Formel-1-Chef erklärt. Mehrfach habe Gribkowsky Andeutungen gemacht, Ecclestone könne bei der Übertragung seiner Formel-1-Anteile an die Familienstiftung Bambino Steuern hinterzogen haben.

Gribkowskys ist geständig  seine Aussage steht bevor

Gribkowsky ist bereits wegen Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Der geständige Ex-Banker gilt nun als wichtigster Zeuge der Anklage gegen Ecclestone. Dem 83-Jährigen drohen im Fall einer Verurteilung bis zu zehn Jahre Gefängnis und eine Absetzung als Formel-1-Chef. Gribkowsky soll am kommenden Freitag (9. Mai) erstmals im Ecclestone-Prozess aussagen.

Ecclestone zeigte sich nervös

Der Formel-1-Chef - mit dunklem Anzug, Krawatte und weißem Hemd wie am ersten Prozesstag - wirkte diesmal angespannter. Er blickte meist ernst und klopfte immer wieder nervös mit der rechten Hand lautlos auf den Tisch. Der 83-jährige Angeklagte ließ sich am zweiten Prozesstag zudem von seiner Frau Fabiana Flosi begleiten. Die Brasilianerin setzte sich in den Zuhörerraum und verfolgte das Verfahren aufmerksam.

Ecclestones Anwälte wollen Anklage entkräften

Die Verteidiger von Formel-1-Chef Bernie Ecclestone wollen den Vorwurf der Anklage in einem zentralen Punkt entkräften. Rechtsanwalt Sven Thomas äußerte am Freitag in einem Antrag vor dem Landgericht München erhebliche Zweifel daran, dass der Banker Gerhard Gribkowsky ein öffentlicher Amtsträger im Sinne des Strafgesetzes war.

Davon geht die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklage aus, da Gribkowsky Angestellter der bayerischen Landesbank war. Thomas argumentierte aber, die Beteiligung der Landesbank an der Formel 1 falle kaum unter die Aufgaben einer öffentlichen Anstalt, deren Ziel das Gemeinwohl und der Aufbau und Erhalt von Arbeitsplätzen in der Region sein müsse.

"Rennstrecken nicht in Bayern"

Das gesamte Geschäft der Formel 1 sei aber in England gewesen. "Diese Rennstrecken liegen bekanntlich nicht in Bayern." Für den Prozess ist die Frage von großer Relevanz, da das Strafgesetz für die Bestechung eines öffentlichen Amtsträgers bis zu zehn Jahren Haft vorsieht. Für die Bestechung im geschäftlichen Verkehr sind es bis zu fünf Jahre Haft, zudem ist der Vorwurf enger gefasst.

APA/red

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