Meteorologe fassungslos

"Ein stilles Unwetter rollt jetzt auf uns zu"

Die Hitzewelle erreicht Österreich am Wochenende: Bis zu 40 Grad bringen Kreislauf, Herz und auch die Rettungskräfte an ihre Grenzen.
Wetter Heute
27.06.2026, 12:57
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben

Es kracht nicht, es blitzt nicht, es gibt keine Sturmböen – und genau deshalb wird diese Wetterlage so gefährlich. "Ein 'stilles' Unwetter rollt auf uns zu...", warnt UWZ-Meteorologe Nikolas Zimmermann. Gemeint ist keine klassische Gewitterfront, sondern eine extreme Hitzewelle, die den Körper über Stunden und Tage belastet.

Wie ernst die Lage werden kann, zeigt ein aktueller Blick nach London. Dort musste der Rettungsdienst wegen der Hitze zu einer Rekordzahl lebensbedrohlicher Notfälle ausrücken: 642 Einsätze der höchsten Kategorie an nur einem Tag. Insgesamt wurden rund 7.900 Notrufe gezählt, fast 3.600 Patienten mussten versorgt werden. Häufig ging es um Ohnmacht, Atemnot und Herzprobleme.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Auch Spaniens Gesundheitsinstitut meldet dramatische Zahlen. Seit Sonntag wurden dort mehr als 200 hitzebedingte Todesfälle registriert. Die Zahl stammt aus einer Datenbank, die aktuelle Sterbefälle mit statistischen Daten aus der Vergangenheit vergleicht und dann die sogenannte Übersterblichkeit errechnet. Allein zwischen Sonntag und Mittwoch wurden 212 Todesfälle der Extremhitze zugerechnet.

In Frankreich sind derweil hunderte Temperaturrekorde gebrochen worden, auch jener für den landesweit heißesten Tag aller Zeiten. Rund 13.500 Schulen blieben geschlossen oder stellten auf verkürzte Stundenpläne um. Auch hier gab es Todesfälle rund um die Hitze: Mindestens 48 Menschen ertranken, als sie sich im Wasser abkühlen wollten. Zudem kamen drei Kleinkinder in Hitzeautos ums Leben.

Gluthitze in Österreich

Jetzt verschiebt sich die Hitzeglocke nach Mitteleuropa – und damit auch nach Österreich. Laut Prognosen erreicht die Hitzewelle in den kommenden Tagen ihren Höhepunkt. Am Freitag werden 30 bis 38 Grad, am Wochenende sind in einigen Regionen Werte um 40 Grad möglich – einige Wettermodelle zeigen sogar lokal 41 oder 42 Grad. Besonders betroffen ist der Osten Österreichs.

Besonders heikel: Die Hitze trifft nicht nur im Freien. Wohnungen heizen sich auf, Nächte bringen oft kaum Erholung, der Kreislauf läuft im Dauerstress. Gefährdet sind vor allem ältere Menschen, chronisch Kranke, Kleinkinder, Schwangere und alle, die körperlich arbeiten oder Sport treiben. Auch Alkohol, zu wenig Wasser und direkte Sonne zur Mittagszeit können rasch gefährlich werden.

Große Hitze hat zurzeit weite Teile Europas fest im Griff: Junge Menschen suchen bei großer Hitze am Mittwoch, 24. Juni 2026, Abkühlung im Hochstrahlbrunnen am Schwarzenbergplatz in Wien. Der Höhepunkt steht aber erst bevor.
APA-Images / APA / ROLAND SCHLAGER

Das Gesundheitsministerium rät, körperliche Anstrengung zu vermeiden, Räume tagsüber abzudunkeln, nur früh und in der Nacht zu lüften und besonders zur Mittagszeit kühle oder schattige Plätze aufzusuchen. Empfohlen werden 1,5 bis 3 Liter Wasser, ungesüsster Tee oder verdünnte Fruchtsäfte pro Tag. Alkoholische und stark gezuckerte Getränke sind keine guten Durstlöscher.

Auch beim Formel-1-Wochenende in Spielberg ist die Hitze Thema. Für den Österreich-Grand-Prix wurde eine Hitzewarnung ausgerufen, weil die Belastung für die Fahrer im Cockpit massiv steigen kann. Kühlungssysteme sollen helfen, die Bedingungen erträglicher zu machen.

Für alle anderen gilt: Viel trinken, Mittagssonne meiden, Nachbarn und Verwandte checken, Kinder und Tiere niemals im Auto lassen. Bei Bewusstlosigkeit, Atemnot, Hitzschlag oder schweren Kreislaufproblemen muss sofort der Notruf 144 gewählt werden. Das Hitzetelefon des Gesundheitsministeriums ist unter 0800 880 800 erreichbar.

{title && {title} } red, {title && {title} } 27.06.2026, 12:57
Jetzt E-Paper lesen