Mit der sogenannten Wirtshausprämie wollte in der Vergangenheit das Land Niederösterreich das Wirtshaussterben aufhalten. Ganz einen anderen Weg geht die Waldviertler Gemeinde Rappottenstein (Bezirk Zwettl), denn sie "verstaatlicht" kurzerhand ihr beliebtes Wirtshaus.
"Inklusive Notar und Nebenkosten rechnen wir mit rund 220.000 Euro", sagte Roswitha Haghofer, die geschäftsführende Gemeinderätin in Rappottenstein gegenüber den Niederösterreichischen Nachrichten (NÖN). Doch schon jetzt ist es offiziell: Der Gasthof Rotheneder gehört seit Kurzem der Marktgemeinde Rappottenstein.
Im dortigen Gemeinderat wurde der Ankauf einstimmig beschlossen – zu einem Kaufpreis von 180.000 Euro. Der Grund: Wirt Dieter Rotheneder hat seinen Pensionsantritt angekündigt, ein Nachfolger fand sich bislang aber noch nicht. Damit der beliebte Gasthof nicht stillsteht, führt Rotheneder den Betrieb vorerst weiter – zumindest so lange, bis eine neue Lösung gefunden ist.
Wie es künftig weitergehen soll, ist noch offen. Mit einer Ausschreibung sucht die Gemeinde nach einem Nachfolger: "Es gibt mehrere Modelle, Pacht oder Geschäftsführung", sagt Haghofer dazu. Zwar wäre das klassische Pachtmodell für die Gemeinde einfacher umzusetzen, grundsätzlich sei man aber für verschiedene Varianten offen. Erste Gespräche mit Interessierten hätten bereits stattgefunden. Die Ausschreibung läuft noch bis Ende Februar, danach will die Gemeinde eine Entscheidung treffen.
"Wir wollen, dass es mit dem Gasthaus weitergeht", betont Haghofer. Für Rappottenstein ist das Gasthaus mehr als nur ein einfaches Lokal. Als beliebter Treffpunkt ist es wichtig, zumal auch, weil es im Ort kein anderes Wirtshaus gibt, das eine Küche betreibt. Derzeit wird im Gasthof noch mittags und abends gekocht.
Ganz ohne Alternativen ist die Region zwar nicht – aber andere Wirtshäuser sind nicht gerade fußläufig erreichbar. So wird etwa in der Wintersaison am Skilift in Kirchbach gekocht, dann gibt es dort auch Gästebetrieb. "Oben auf der Burg Rappottenstein gibt es im Burgstüberl Essen und in Roiten kocht man im Gasthaus König", zählt Haghofer auf. Doch letztlich ginge nichts über ein Wirtshaus direkt im Ort.
Für die Menschen in der Gemeinde Rappottenstein und auch für den dortigen Tourismus dürfte der Kauf durch die Gemeinde kein Nachteil sein. Sollte es mit der Aufrechterhaltung des Betriebs gelingen, hat man zumindest in Rappottenstein das Wirtshaussterben vorerst aufgehalten.