Konkurs blockiert Nachfolge

Zu nach 6 Monaten – Pleite-Lokal Problem für Gemeinde

Himbergs Bürgermeister kämpft um einen Nachfolger für das Lokal im Volkshaus der Gemeinde, doch der Konkurs einen Jungunternehmers blockiert alles.
Aram Ghadimi
04.12.2025, 05:15
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"Ich bin natürlich überhaupt nicht glücklich mit dieser Situation", sagt Himbergs Bürgermeister Ernst Wendl (SPÖ) zu "Heute". "Die Zufriedenheit der Bürgerinnen und Bürger und eine hohe Lebensqualität steht für mich an oberster Stelle", sagte der Wendl zu Jahresbeginn im Rahmen der Wahl zum Bürgermeister, die er auch souverän gewann. Doch jetzt bereitet ihm eine komplizierte Insolvenz in seiner Marktgemeinde Sorgen.

Denn, so schreibt das Volkshaus der Gemeinde Himmberg: "Aufgrund der Einstellung des Restaurantbetriebes des bisherigen Pächters, bleibt das Restaurant im Erdgeschoss bis auf Weiteres leider geschlossen. Wir werden uns bemühen einen Nachfolger für das Restaurant ehestmöglich zu finden, sodass das Lokal bald wieder für die Gäste geöffnet sein kann."

"Wir haben hier im Ort an die 50 Vereine, von den Naturfreunden, über Fischerei bis zu den Pensionisten. Sie alle nützen unser Volkshaus – derzeit aber ohne die beliebte Gastronomie", sagt Wendl, der sich aktiv dafür einsetzt, dass es bald wieder Schnitzel und Bier für die Gäste des Veranstaltungszentrums gibt. "Unsere Gemeinde lebt von den zahlreichen Aktivitäten im Volkshaus und wir bedauern den Konkurs sehr."

Bürgermeister: "Ist ärgerlich"

Wie die "Heute"-Recherche ergab, wurde am Dienstag, 2. Dezember 2025, ein Konkursverfahren gegen die ELIS FlexCo (Flexible Kapitalgesellschaft) am Landesgericht Korneuburg eröffnet. Das Unternehmen konnte zuletzt laufenden Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen, wie der Alpenländische Kreditorenverband (AKV) schreibt.

"Restaurant 'Elis' ab sofort geschlossen", stand plötzlich auf der Webseite des Volkshauses. Es ist für Veranstaltungen bis 250 Personen ausgelegt und verfügt sogar über einen behindertengerechten Zugang. "Zwar ist der Veranstaltungssaal im Obergeschoß von der Einstellung des Restaurantbetriebes nicht direkt betroffen, im Saal können also weiterhin Veranstaltungen durchgeführt werden", sagt Wendl, "doch ärgerlich ist das schon."

Rechtsform für Start-Ups

"Seit 1. Jänner 2024 steht den Unternehmen eine neue Rechtsform zur Verfügung, die als Flexible Kapitalgesellschaft (FlexKapG) oder als Flexible Company (FlexCo) bezeichnet wird", schreibt Helmut Gahleitner, von der Abteilung Wirtschaftspolitik der Arbeiterkammer Wien auf deren Webseite. Die Einführung sei mit einer gleichzeitigen Reduzierung von gesetzlichem Mindeststammkapital einhergegangen.

Und: "Bei der FlexKapG besteht die Möglichkeit der Ausgabe von Stückanteilen zum Mindestbetrag von 1 Euro." Gleichzeitig gibt es, laut dem AK-Experten, mehrere neue Arten sich zu beteiligen, "was die Attraktivität der Gesellschaft für Investoren steigern soll."

Insolvenz blockiert Nachfolge

Wendl, der 1958 geboren wurde, 38 Jahre beim Wiener E-Werk, Wienstrom und später bei den Wiener Netzen in unterschiedlichen Führungspositionen beschäftigt war, kann mit der neuen smarten Firmenform wenig anfangen: "Für mich zählt nur, dass wir bald eine Lösung am Tisch haben. Wir haben sogar schon einen Nachfolger im Vorvertragsstadium, müssen abwarten, wie es im Konkursverfahren weitergeht."

Das Problem dabei: Bevor die Gemeinde einem neuen Pächter ihre Räumlichkeiten überlassen kann, muss zuerst ein Masseverwalter des Gerichts feststellen, was an Sachwerten vom insolventen Altpächter stammt, um dessen offene Forderungen bei Gläubigern decken zu können – eine langwierige Angelegenheit.

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Suche nach Geschädigten

Zudem steht noch überhaupt nicht fest, wie hoch die Forderungen gegen die ELIS FlexCo ausfallen werden. Der AKV schreibt dazu nur: "Um Sie auch bei kleinen Forderungen zu unterstützen, bieten wir Ihnen an, Ihre Forderung aus Leistung oder Lieferung (Darlehen ausgenommen) bis 3.000 Euro in diesem Verfahren gratis anzumelden. In diesem Fall bezahlen Sie lediglich die Gerichtsgebühr von 31 Euro."

Erst im April hatte ein findiger Geschäftsmann aus Himberg die Gemeinde von seinem Konzept überzeugen können und den Zuschlag von Wendl erhalten – mit dabei zwei Kegelbahnen und – so möchte man denken – garantierte Umsätze. Warum der 1991 geborene Unternehmer, mit Geschäftsführerfunktionen in mehreren anderen Unternehmen, nicht erfolgreich war, bleibt Anlass zu Spekulationen.

Wunsch ans Christkind

Theateraufführungen und auch die Treffen der Pensionisten bleiben bis auf Weiteres ohne Verpflegungsangebot. "Wenn ich mir etwas vom Christkind wünschen kann, dann wäre es, dass uns unser Lokal bald wieder zur Verfügung steht", sagt Wendl, der mit Masseverwalter Nikolaus Vogt im Gespräch ist.

Aller Voraussicht nach wird sein Wunsch nicht vor Februar 2026 in Erfüllung gehen. Bis zum 11. Februar läuft nämlich die Frist zur Einbringung offener Forderungen.

{title && {title} } agh, {title && {title} } 04.12.2025, 05:15
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