Die Eitek GmbH im niederösterreichischen Ebergassing musste kürzlich ihre Insolvenz bekannt geben. Laut dem Kreditschutzverband KSV1870 haben sich die Schulden des Unternehmens inzwischen auf 36 Millionen Euro aufsummiert.
Sollte es im schlimmsten Fall zu einer Schließung kommen, würden sich die Verbindlichkeiten sogar noch "drastisch erhöhen", heißt es. Für die betroffenen Mitarbeiter ist das keine leichte Situation – niemand weiß, wie es mit dem Job weitergeht.
Von der Zahlungsunfähigkeit der Eitek GmbH sind insgesamt auch 272 Gläubiger betroffen, die jetzt um ihr Geld bangen müssen. Nach Bekanntwerden der Insolvenz ist die Stimmung am Firmensitz Ebergassing denkbar schlecht, denn wie der KSV1870 bekannt gab, geht die "Schuldnerin dabei von möglichen Schadenersatzforderungen in der Höhe von bis zu 109 Millionen Euro aus."
Trotz all dem möchte die Firmenleitung jetzt nicht aufgeben. Hoffnungsvoll blickt man auf ein Restrukturierungs- und Sanierungskonzept, das den schwer angeschlagenen Betrieb retten soll. Den Gläubigern möchte man eine Sanierungsplanquote von 30 Prozent vorschlagen. Dabei ist noch unklar, ob das gelingen kann und ob die Gläubiger dem Plan zustimmen.
Die Eitek GmbH ist auf die Herstellung, Verarbeitung und den Vertrieb von Komplettinnenausstattungen und deren Bauteilen für die Autoindustrie spezialisiert. "Das seit dem Jahre 2005 bestehende Unternehmen zählt zu den führenden Lieferanten für einige der prestigeträchtigsten Automarken und genießt Weltruf", erklärte kürzlich die Creditreform gegenüber dem ORF.
Aus Europas bedeutendster Gläubigerschutzorganisation hieß es, dass die finanziellen Schwierigkeiten der Eitek GmbH eine "direkte Folge der Krise in der Automotivbranche" seien. Europas Autoindustrie steckt derzeit in einer tiefen Krise, die auch das Exportmodell der deutschen Autoindustrie infrage stellt.
Schon seit Längerem lastet dieser Druck auf der heimischen Automobilbranche – direkt davon betroffen sind Zulieferbetriebe aus Niederösterreich. Rund 600 Arbeitsplätze will der Zulieferer ZKW bis 2027 streichen – "Heute" hat berichtet. Bangen um die Zukunft auch bei Pollmann International in Karlstein an der Thaya (Bezirk Waidhofen a. d. T.).
Nach der Schließung des Pollmann-Werks in Vitis wurde die Produktion im vergangenen Sommer zum Hauptstandort Karlstein, aber auch nach Tschechien verlagert. Es hieß, dass alle 71 Mitarbeiter übernommen werden sollen. Das Waldviertler Unternehmen ist ein Familienbetrieb in fünfter Generation und wurde bereits als Top-Arbeitgeber ausgezeichnet. Gegen die schwierige Gesamtsituation scheint auch dort kein Kraut gewachsen.
Zurück nach Ebergassing: Im November 2023 wurde der Standort von einer Private-Equity-Gesellschaft (Beteiligungsgesellschaft für Privatinvestoren, Anm.) erworben und in die heutige Eitek GmbH umfirmiert, heißt es auf der Webseite der Firma. Doch die gestiegenen Preise und ein gleichzeitiger Rückgang der Nachfrage machten dem Unternehmen immer mehr zu schaffen.
Und auch die Zukunftsaussicht gestaltet sich trüb. Damit sich die angeschlagene Autozulieferindustrie wieder erholen kann, würden "lukrative Aufträge benötigt", hieß es seitens der Creditreform. Daran fehlt es aber nicht nur in Niederösterreich.
Über den Autozulieferer Eitek in Ebergassing wurde jedenfalls am Montag ein Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung am Landesgericht Korneuburg eröffnet. Forderungen können bis zum 18. Februar angemeldet werden, so der KSV1870. Von der Insolvenz betroffen sind 319 Beschäftigte und 272 Gläubiger. Die Passiva betragen 36 Millionen Euro. Zum Sanierungsverwalter wurde der Wiener Rechtsanwalt Matthias Schmidt bestellt. Die Berichtstagsatzung wurde für 11. Februar anberaumt, die Prüfungstagsatzung ist für 4. März geplant. Gläubigern wird eine Sanierungsplanquote von 30 Prozent angeboten.