Was als Erfolgsmeldung gedacht war, entwickelte sich für Audi zum PR-Desaster. Konzernchef Gernot Döllner kündigte am Wochenende bei einer Wahlkampfveranstaltung von US-Präsident Donald Trump den Bau eines neuen Audi-Werks im US-Bundesstaat Georgia an. Der gemeinsame Auftritt sorgt nun konzernintern für heftigen Unmut.
Die Reaktion der VW-Belegschaft fiel heftig aus. Unter einem Artikel im Konzern-Intranet sammelten sich mehr als 200 Kommentare. Viele Mitarbeiter wurden dabei gegenüber Döllner ausfallend. Die Diskussion habe den Rahmen eines sachlichen Meinungsaustauschs verlassen, heißt es.
Wie n-tv.de unter Berufung auf den Spiegel berichtet, musste der Volkswagen-Konzern daraufhin die Kommentarfunktion komplett abschalten. Ein Konzernsprecher bestätigte dies: Die Diskussion habe sich nicht mehr innerhalb der Nutzungsbedingungen bewegt.
Besonders scharfe Kritik kam von VW-Betriebsratschefin Daniela Cavallo. Trump sei "eine höchst zweifelhafte politische Figur, die gegen so ziemlich jeden unserer Unternehmenswerte verstößt", sagte sie in einem Intranet-Interview. Döllner habe sich "zur Marionette in dessen Propaganda-Show machen lassen".
"Wer die Rede von Donald Trump gehört hat und dann wahrnehmen musste, dass eines unserer Konzernvorstandsmitglieder zum aktiven Teil dieser Veranstaltung wurde, muss vor Scham im Boden versinken", so Cavallo weiter. Die Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat habe mit weniger als 48 Stunden Vorlauf davon erfahren.
In dem neuen Werk in Georgia sollen ab den 30er-Jahren vor allem SUV-Modelle vom Band laufen. Audi erhält dafür eine Förderung von rund 1,4 Milliarden US-Dollar vom Bundesstaat. Döllner bezeichnete das Förderpaket als "in der Größenordnung üblich".
Der Audi-Chef reagierte mittlerweile auf die Kritik und wandte sich in einem internen Schreiben an die Mitarbeiter, um seinen Auftritt zu erklären.