Amanda Knox

"Engel mit Eisaugen" sucht Kontakt zur Opfer-Familie

Amanda Knox will sich mit der Familie der ermordeten Meredith Kercher versöhnen. Doch die Familie kritisiert eine neue TV-Serie als respektlos.
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05.08.2025, 10:11
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Amanda Knox hofft weiterhin auf Versöhnung mit der Familie von Meredith Kercher. Die 21-jährige Britin war 2007 im italienischen Perugia ermordet worden. Knox und Kercher waren damals Mitbewohnerinnen. Knox wurde zunächst verurteilt, später jedoch freigesprochen. Sie saß fast vier Jahre in Italien im Gefängnis. Jetzt sagt sie: "Ich möchte mich mit ihrer Familie versöhnen."

Die heute 38-Jährige bringt im August eine neue TV-Serie über ihr Leben heraus. Bereits im Mai erschien ihre zweite Autobiografie. Beides, so Knox, solle helfen, die "Wahrheit über Merediths Tod" ans Licht zu bringen. Sie hoffe, dass die Familie darin etwas Heilendes finden könne.

"Engel mit den Eisaugen"

Der Mord an Meredith Kercher sorgte weltweit für Aufsehen. Medien nannten Amanda Knox damals den "Engel mit den Eisaugen". Die Staatsanwaltschaft präsentierte eine Theorie, laut der Kercher bei einem Sexritual getötet wurde. Angeblich waren Knox, ihr damaliger Freund Raffaele Sollecito und Rudy Guédé beteiligt. Letztlich wurde nur Guédé rechtskräftig wegen Mordes verurteilt. Er verbrachte 13 Jahre im Gefängnis.

Knox lebt heute mit ihrem Mann und zwei Kindern in der US-Stadt Seattle. Sie arbeitet als Autorin, Podcasterin und setzt sich für Justizreformen ein. Über die Familie Kercher sagt sie: "Ich habe mehrmals versucht, Kontakt aufzunehmen, aber ich weiß nicht, ob meine Nachrichten sie je erreicht haben." Ihre Eltern starben 2020. Knox wünscht sich einen Austausch mit den Geschwistern. "Wir haben etwas sehr Traumatisches erlebt. Es wäre schön und heilend, wenn wir darüber sprechen könnten."

Beziehung zum Staatsanwalt

Knox pflegt heute ein ungewöhnliches Verhältnis zum damaligen Ankläger Giuliano Mignini. Beide schreiben sich seit 2019 und trafen sich 2022 persönlich. "Manche fragen, ob er mein Freund sei. Ich weiß es nicht. Er ist mein Peiniger, aber auch jemand, dem ich nicht gleichgültig bin", sagte sie. Mignini habe ihr gegenüber eingeräumt, dass er sich irren könnte. "Er sagte, ‹Ich tat, was ich für richtig hielt. Aber ich könnte mich geirrt haben.›"

Mignini wollte sich gegenüber "Newsweek" nicht äußern. In einem früheren Interview mit "The Sun" sagte er: "Amanda sagt nicht die Wahrheit. Nicht weil sie lügt, sondern weil sie sich nicht erinnert."

Kritik an neuer Serie

Die neue TV-Serie startet am 20. August. Knox beschreibt sie als komplex, menschlich und mitfühlend. Es sei jedoch auch das schlimmste Erlebnis ihres Lebens, erzählt aus verschiedenen Perspektiven. Es gehe nicht um sensationsgierige Unterhaltung, sondern um eine durchdachte und respektvolle Auseinandersetzung.

Die Familie Kercher sieht das jedoch anders. Schwester Stephanie sagte im vergangenen Jahr: "Unsere Familie hat so viel durchgemacht. Es ist schwer zu verstehen, welchen Sinn so ein Projekt haben soll." Der Anwalt der Familie, Francesco Maresca, warf Knox erneut vor, mit dem Mord Geld verdienen zu wollen.

Maresca erinnerte zudem daran, dass Knox wegen Verleumdung verurteilt wurde. Sie hatte fälschlich den Barbesitzer Patrick Lumumba beschuldigt, Kercher ermordet zu haben. Das Urteil wurde Anfang 2025 vom Kassationsgericht bestätigt.

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