Da staunten selbst die Experten nicht schlecht: Unter zwei berühmten Gemälden im Belvedere kamen plötzlich völlig andere Bilder zum Vorschein. Dank moderner Technik wurden jahrhundertealte Übermalungen entdeckt – und damit echte Kunst-Geheimnisse enthüllt.
Die neue Ausstellung "IM BLICK – Übermalt und freigelegt", die ab 13. Mai im Oberen Belvedere zu sehen ist, zeigt ab sofort zwei spektakuläre Fälle aus der Kunstgeschichte. Im Mittelpunkt stehen Werke von Johann Baptist Lampi dem Älteren und seinem Sohn – und die hatten es offenbar faustdick unter der Farbe.
Besonders kurios: Auf einem Familienporträt aus dem 18. Jahrhundert waren lange nur zwei Kinder und eine Büste zu sehen. Doch Röntgenaufnahmen enthüllten die Wahrheit: Unter der Farbe versteckte sich eigentlich die Mutter der Kinder, die ihre beiden Sprösslinge liebevoll umarmt. Kunsthistoriker rätseln bis heute, warum sie einfach "wegretuschiert" wurde.
Noch verrückter verlief die Geschichte einer schlafenden Venus. Auf dem Bild fehlte plötzlich Amor – der kleine Liebesgott wurde irgendwann schwarz übermalt. Damit ging auch die ursprüngliche Bedeutung des Werks verloren.
Im 20. Jahrhundert hielt man das Gemälde deshalb plötzlich für das Porträt einer angeblichen Geliebten Napoleons. Die Story verbreitete sich rasant und machte das Bild sogar in Paraguay bekannt.
Jetzt wurde der Amor wieder freigelegt – und die Venus darf endlich wieder Venus sein.
Die Schau im Oberen Belvedere zeigt eindrucksvoll, wie sich Kunstwerke über die Jahrhunderte verändern können. Mal wird etwas übermalt, mal falsch interpretiert – und plötzlich bekommt ein Bild eine völlig neue Geschichte.
Belvedere-Chefin Stella Rollig spricht von "wechselvollen Lebensgeschichten" der Gemälde. Heute würde man Kunstwerke möglichst originalgetreu erhalten. Früher griff man dagegen gern mal selbst zum Pinsel.
Die Ausstellung läuft von 13. Mai bis 11. Oktober 2026 im Oberen Belvedere in Wien.