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MAK sorgt mit neuer Ausstellung für Provokation

Die Ausstellung im MAK Wien beleuchtet Christoph Schlingensiefs Werk zwischen Kunst, Politik und gesellschaftlicher Verantwortung.
Heute Entertainment
12.05.2026, 11:35
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Laut, unbequem und garantiert nichts für nebenbei: Das MAK widmet dem deutschen Kult-Regisseur und Provokateur Christoph Schlingensief jetzt eine große Ausstellung – und die hat es in sich. Gemeinsam mit den Wiener Festwochen und dem Berliner Gropius Bau entstand eine Schau, die weit mehr sein will als nur ein nostalgischer Rückblick.

Unter dem Titel "Es ist nicht mehr mein Problem!" tauchen Besucher mitten in Schlingensiefs chaotisches Universum ein – irgendwo zwischen Film, Theater, Oper, Kunstaktion und politischer Provokation. Statt still Kunst anzuschauen, soll das Publikum mitdenken, mitfühlen und auch mal irritiert werden.

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Im Rahmen der Wiener Festwochen 2000 veranstaltet Christoph Schlingensief die Containeraktion BITTE LIEBT ÖSTERREICH – ERSTE ÖSTERREICHISCHE KOALITIONSWOCHE.
© David Baltzer/bildbuehne.de

Kunst, die weh tun darf

Schlingensief, der 2010 mit nur 49 Jahren an Lungenkrebs starb, galt als einer der radikalsten Künstler seiner Zeit. Er ließ sich nie einordnen: mal Theatermacher, mal Opernregisseur, mal politischer Aktivist. Seine Arbeiten waren oft schrill, laut und überfordernd – aber immer messerscharfe Kommentare zur Gesellschaft.

Im Zentrum der Ausstellung steht die monumentale Installation "Church of Fear". Die Arbeit entstand nach den Terroranschlägen vom 11. September und zeigt, wie Angst in Politik und Medien gezielt eingesetzt wird. Mit religiösem Kitsch und übertriebener Inszenierung hält Schlingensief der Gesellschaft den Spiegel vor.

Wien spielte Schlüsselrolle

Dass die Schau gerade in Wien gezeigt wird, ist kein Zufall. Österreich war für Schlingensief immer Bühne und Reibefläche zugleich. Legendär wurde seine Container-Aktion "Bitte liebt Österreich" im Jahr 2000 direkt neben der Staatsoper. Damals ließ er Asylwerber in einem Container wohnen und das Publikum – angelehnt an "Big Brother" – über deren "Abschiebung" abstimmen.

Die Aktion sorgte für Empörung, Proteste und politische Debatten. Heute gilt sie als frühe Warnung vor Populismus und medialer Inszenierung.

Kunst darf nerven

Die Ausstellung zeigt aber nicht nur Provokation, sondern auch Schlingensiefs Idee vom "produktiven Scheitern". Kunst müsse nicht perfekt sein, sondern Fragen stellen und Widersprüche aushalten.

Oder, wie Schlingensief selbst sagte: Kunst soll nicht beruhigen – sondern irritieren.

Die Ausstellung "Christoph Schlingensief: Es ist nicht mehr mein Problem!" läuft von 13. Mai bis 13. September 2026 im MAK Wien.

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