Das große Schweigen

Volkstheater erntet bei Programmpräsentation Kritik

Mehr Besucher, große Namen, politische Haltung: Das Volkstheater startet mit Jelinek in die neue Saison. Bei Fragen zur Auslastung blieb man still.
Heute Entertainment
11.05.2026, 14:17
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Das Volkstheater startet mit großen Ambitionen in die neue Saison – und mit einer ordentlichen Portion Selbstbewusstsein. Nach dem Direktionswechsel vergangenen Jahres präsentierte das Haus am Montag die Spielzeit 2026/27 zwischen politischem Anspruch, feministischen Stoffen, Gaming-"Macbeth" und Jelinek-Mammutprojekt. Gleichzeitig hagelte es bei der Pressekonferenz aber auch Kritik – vor allem wegen der Zurückhaltung bei Zahlen und Fakten.

Immerhin: Die Besucherzahlen seien laut Theater um 13 Prozent gestiegen. Besonders stolz zeigt man sich auf mehr als 500 neue Abonnenten. Insgesamt zählt das Volkstheater nun rund 1.500 Abos. Zu genaueren Zahlen bezüglich Auslastung und Kartenverkäufen schweigt die Leitung allerdings. Gerade das sorgte für Stirnrunzeln – schließlich arbeitet das Haus mit öffentlichen Geldern.

"Mehr Vorstellungen, mehr Besucher. So stell ich mir das vor"

Der kaufmännische Direktor Cay Stefan Urbanek gab sich dennoch bestens gelaunt: "Ich kann mir keinen besseren Start in eine neue Direktion wünschen." Sein Motto klingt dabei fast wie aus dem Wirtschaftslehrbuch: "Mehr Vorstellungen, mehr Besucher, so stell ich mir das vor."

Apropos Wirtschaftslehrbuch: Bei der Pressekonferenz gab die Leitung zwar Einblicke in die Zahlen und Fakten des Hauses – allerdings nur mit begrenzter Transparenz. Die wichtigste Einnahmequelle bleibt weiterhin die "Große Bühne". Die kleineren Spielstätten wie die Dunkelkammer oder die Bezirksproduktionen spielen gemeinsam weniger als ein Fünftel ein. Gleichzeitig fordert die Direktion von der Stadt Wien bessere Bedingungen für die Tournee-Spielstätten in den Bezirken. "Wir touren teilweise durch die windigsten Stätten der Stadt", heißt es.

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Vielfältiges Programm für alle Wiener

Programmatisch setzt das Volkstheater heuer auf ein großes Schlagwort: Nähe. "Theater ist der Ort des Unmittelbaren", sagte der künstlerische Leiter Jan Philipp Gloger. Gleichzeitig wolle man weiterhin klar politisch Stellung beziehen: "Ich habe das Gefühl, wir tun gut daran, weiterhin politische Haltung zu beziehen." Dabei bezieht man sich klar gegen den Rechtsruck, der für "Spaltungen, Radikalisierungen und autoritäre Entwicklungen" sorge.

Unter dieser Prämisse eröffnet das Volkstheater die Saison mit einem echten Prestigeprojekt: Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek steht im Mittelpunkt von "Die Ankunft". Vier Texte der Autorin werden dabei knapp vier Wochen vor ihrem 80. Geburtstag auf die Bühne gebracht.

Politisch und gesellschaftlich bleibt es auch danach. "Nestervals 1927" beschäftigt sich mit einer Welt, in der die Freiheit der Kunst massiv bedroht ist. Besonders spannend klingt auch "Jelisawera Bäm": Die Geschichte einer Frau, die für eine Straftat verhaftet werden soll, die sie erst in der Zukunft begehen wird. Premiere dazu ist am 18. März.

Auch ein Publikumsliebling kehrt zurück: Die heuer ausverkaufte Bezirksproduktion "State of the Union" zieht auf die Große Bühne um.

Politik und Humor unter einem Haus – geht sich das aus?

Neben Politik soll aber auch der Humor einen festen Platz bekommen. So steht etwa eine neue Fassung von "Der nackte Wahnsinn" auf dem Programm. Mit "Der Liebling" bringt das Haus zudem ein feministisches Manifest über Kapitalismus und Macht auf die Bühne. Premiere ist am 12. Februar. Inspiriert wurde das Stück unter anderem von Erfolgsformaten wie "Der Teufel trägt Prada".

Zu den wichtigsten Partnern des Volkstheaters zählen die Wiener Städtische und die Arbeiterkammer Wien. Im Bild: Cay Stefan Urbanek und Jan Philipp Gloger (v. l.).
Volkstheater

Auch Klassiker fehlen nicht. Ibsens "Hedda" feiert am 21. Jänner Premiere. "Macbeth" wird hingegen in einen Gaming-Kosmos versetzt – wobei manche Journalisten bei der Präsentation bekritteln, dass auch die Staatsoper in der kommenden Saison "Macbeth" zeigt.

Besonders volksnah soll das Projekt "Das Wiener Volksohr" werden. Seit einem Jahr sammelt das Theater Geschichten von Wienern – ohne sie zu kommentieren oder zu bewerten. Daraus soll ein zeitgenössischer Text entstehen, der die Stadt selbst zum Autor macht. Gegen Ende April kommt das Stück auf die Bezirksbühnen.

Mit viel Mut trotzt man finanziellen Herausforderungen

Trotz Sparzwängen gibt sich die Theaterleitung kämpferisch. "Ich traue mich das Gefühl zu haben, mutig sein zu können hier. Ja, das soll man gegenüber der Presse nicht sagen", meinte der künstlerische Leiter – ehe er kurz darauf mit kritischen Fragen zu Budget, Auslastung und Transparenz konfrontiert wurde. Besonders die fehlenden Zahlen sorgten für Diskussionen.

Denn die finanzielle Lage bleibt angespannt. Die Subventionen steigen nicht, Personal- und Materialkosten aber sehr wohl. "Man dreht hier jeden Cent um", sagte der künstlerische Leiter. Deshalb schmerze ihn auch der Vorwurf, man gehe nicht verantwortungsvoll mit Steuergeld um. Der kaufmännische Leiter beruhigte hingegen: "Es werden sich keine finanziellen Katastrophen abspielen." Und weiter: "Die Kunst muss der letzte Posten sein, wo man einspart."

Das Volkstheater will also möglichst viele Menschen ansprechen – mit Politik, Humor, Klassikern und KI-Stoffen. Die Nähe zum Publikum soll wachsen. Und offenbar auch die Besucherzahlen. Über die ganz genauen Zahlen spricht man allerdings lieber nicht.

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 11.05.2026, 14:29, 11.05.2026, 14:17
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