Drei Bewerbe, kein Edelmetall: Das österreichische Skisprung-Team reist mit hohen Erwartungen zu den Olympischen Spielen nach Italien – bislang jedoch ohne Medaille im Gepäck. Auf der Normalschanze in Predazzo schrammten die ÖOC-Hoffnungsträger teils knapp am Podium vorbei, im Mixed-Team-Bewerb reichte es am Ende nur für Rang fünf. "Natürlich ist das enttäuschend. Wir haben uns mehr erwartet und wissen, dass sie es können", sagte ÖSV-Cheftrainer Andreas Widhölzl.
Im Einzelbewerb der Frauen blieb Mitfavoritin Lisa Eder als Vierte ohne Medaille, bei den Männern verpasste Stephan Embacher nach einer missglückten Landung Bronze und landete auf Platz sieben. Im Mixed-Team fehlten schließlich 6,2 Punkte auf Rang drei. Während Slowenien, Norwegen und Japan jubelten, musste das österreichische Quartett mit Eder, Embacher, Jan Hörl und Julia Mühlbacher zuschauen. "Der Telemark zipft mich an. Den haben wir gestern verschissen und heute wieder", ärgerte sich Widhölzl.
Besonders Julia Mühlbacher war nach einem schwachen ersten Durchgang sichtlich getroffen. Im Auslauf musste sie von Teamkollegen getröstet werden. "Die Medaille habe ich weggeschmissen", sagte die Oberösterreicherin und entschuldigte sich. "Es tut mir wirklich leid, wir hätten uns das verdient. Ich hätte mir gewünscht, es wäre ein Einzel gewesen." Von ihren Teamkollegen gab es jedoch keine Vorwürfe, sondern Unterstützung. "Wir gewinnen als Team, wir verlieren als Team", betonte Embacher. Auch Eder stellte klar: "Sie braucht sich nichts vorwerfen. Jeder hat sein Bestes gegeben." Hörl zeigte Verständnis: "Diese Situation kenne ich selbst. Wir werden das abhaken und eine Gaudi draus machen."
Eine Feier wie einst bei den Spielen 2006 in Turin wird es allerdings nicht geben. Damals hatten Thomas Morgenstern und Andreas Kofler nach einer Enttäuschung den Frust mit mehreren Getränken weggespült – und später Gold und Silber geholt. "Wir bleiben bei Schinken und Parmesan, das Wegschütten lassen wir weg", meinte Hörl schmunzelnd. Auch Widhölzl weiß: "Die Athleten trinken keinen Alkohol mehr."
Der Fokus liegt nun klar auf der Großschanze. Nach einem trainingsfreien Mittwoch stehen ab Donnerstag die ersten Einheiten an. Mit dem Männer-Einzel am Samstag, dem Frauen-Bewerb am Sonntag und dem Super-Team der Männer am Montag warten noch drei Medaillenchancen. "Es ist noch alles möglich. Wir werden alles daransetzen, uns noch eine Medaille zu holen", sagte Frauen-Cheftrainer Thomas Diethart. Hörl brachte es auf den Punkt: "Auf der kleinen Schanze sollte es nicht sein. Aber jetzt geben wir erst recht Vollgas."