Im Jahr 2023 ist Gewalt an Kindern nach wie vor ein weit verbreitetes Problem. So ergab eine Trendmessung des Marktforschungsinstituts Spectra von 2022 im Auftrag der Kinder- und Jugendanwaltschaft OÖ (KiJA): Für 25 Prozent der befragten Personen in Österreich ist eine Watschn keine gewaltbehaftete Erziehungsmaßnahme.
Alleine im vergangenen Jahr wurden der KiJA OÖ 5.545 Kindeswohlgefährdungen gemeldet. Eine weitere dramatische Zahl: 8.349 Therapiestunden wurden in den Kinderschutzzentren geleistet.
Statistisch gesehen ist im Bundesland jedes vierte Kind von Gewalt betroffen.
Laut der Spectra-Umfrage ist das gesetzliche Gewaltverbot in der Erziehung mehr als sieben von zehn Oberösterreichern bekannt.
Jetzt hat der Kinderschutz-Landesrat Michael Lindner (SPÖ) die Bewusstseinskampagne #hautnichthin ins Leben gerufen. "Durch die erhöhte Aufmerksamkeit und Sensibilisierung der Bevölkerung wird einerseits eine präventive Wirkung angestrebt, um Gewalt an Kindern bereits im Ansatz zu verhindern", betont Lindner.
"Mit dieser Kampagne machen wir den Auftakt, um Oberösterreich zum Vorzeigebundesland für Kinderschutz und Kinderrechte zu machen", betont Lindner.
Andererseits werde mit der Aktion aber auch aufgezeigt, dass es für jene, die in der Erziehung selbst Gewalt anwenden, Hilfe gibt. "Wir wenden uns an Erziehungsberechtigte, Kinder und jene, die Gewalt an Kindern beobachten."
Bei der Präsentation der Kampagne am Donnerstag in Linz erklärt Theresia Schlöglmann, Leiterin der Abteilung Kinder- und Jugendhilfe vom Land OÖ: "Unsere gemeinsamen Erfahrungswerte zeigen, dass es weiterhin notwendig ist, in OÖ noch mehr Bewusstsein für das Gewaltverbot in der Erziehung zu schaffen."
Die Aktion beinhaltet mehrere Maßnahmen: Von Online-Bannern und Social-Media-Anzeigen, Radio-Spots über Plakate in Schulen sowie Kooperationen mit Vereinen. Zielgruppe sind Eltern, Kinder und Personen, die Gewalt an Kindern beobachten.
Sobald schwere Fälle von Gewalt an Kindern bekannt werden, folgt der Ruf nach höheren Strafen für Täterinnen und Täter. Die Bedürfnisse von betroffenen Kindern und Jugendlichen und Maßnahmen – die zur Verhinderung der Gewalt bzw. zur Unterstützung notwendig sind – geraten dabei schnell aus dem Blick.
"Es muss unser Ziel sein, mit verstärkter opfer- und täterorientierter Prävention, dem Ausbau von spezialisierten Opferschutzeinrichtungen, mehr Ressourcen im Ermittlungsbereich und insbesondere einer gesellschaftlichen Sensibilisierung dieses Dunkelfeld heller zu machen", betonte Petra Birchbauer, Vorsitzende im Bundesverband Österreichischer Kinderschutzzentren.