Können Zellen wieder jung werden? Was bisher nur im Labor an Tieren funktionierte, wird jetzt erstmals an Menschen erprobt. Das US-Unternehmen Life Biosciences hat eine klinische Studie gestartet, bei der geschädigte Nervenzellen im Auge verjüngt werden sollen.
Bei der Behandlung werden drei spezielle Gene mit einem Virus in die Zellen des Auges eingeschleust. Diese Gene sollen alte Zellen so umprogrammieren, dass sie sich wieder wie junge Zellen verhalten. Ziel ist es, den bei Glaukom-Patienten geschädigten Sehnerv zu regenerieren.
Wie spektrum.de berichtet, sollen bis zu zwölf Patienten mit Glaukom behandelt werden. Später sollen auch Patienten mit einer schweren Erkrankung namens NAION in die Studie aufgenommen werden. Als Sicherheitsmaßnahme werden die Gene nur aktiv, wenn die Teilnehmer das Antibiotikum Doxycyclin einnehmen.
Die Technologie basiert auf Forschungen des Harvard-Genetikers David Sinclair, der 2020 bei Mäusen zeigen konnte, dass die Aktivierung dieser Gene geschädigte Sehnerven regenerieren kann. Die behandelten Tiere konnten danach wieder besser sehen.
Experten warnen jedoch vor zu großen Erwartungen. "Solche Reprogrammierungen haben ein großes Potenzial, wenn wir sie sicher beim Menschen anwenden können", sagt Matt Kaeberlein, Mitbegründer eines Longevity-Unternehmens. Die Technologie stecke aber noch in einem sehr frühen Stadium, das Risiko schwerwiegender Nebenwirkungen sei hoch.
Das Auge gilt als guter Startpunkt für solche Versuche, weil lebensbedrohliche Nebenwirkungen dort weniger wahrscheinlich sind als bei anderen Organen. Langfristiges Ziel sei eine Verjüngung des gesamten Körpers - doch davon sei man noch weit entfernt, so das Unternehmen.