"Will nachhaltig wirtschaften"

Esoterik-Ökonom versuchte Staat um Millionen zu prellen

Einem Aufsichtsratsvorsitzenden einer Zweimann-AG wird vorgeworfen, den Staat um Unsummen betrogen zu haben. Der windige Wirtschaftsberater bestritt.
Christian Tomsits
12.05.2026, 15:21
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Wollsakko mit Einstecktuch, darunter Kaschmir-Rolli, der Vollbart aufgezwirbelt: Der Aufsichtsratsvorsitzende einer Linzer Mini-AG mit Schweizer Einzelunternehmen schleppte sich und seine Aktenberge am Mittwoch mühevoll aus seiner Häf’n-Zelle ins Wiener Landl.

Dem angeblich atypisch autistischen Sohn eines deutschen Luftwaffe-Offiziers und "einer Alkoholikerin", der vor Gericht in einem zwanzigminütigen Eröffnungsstatement seine Lebens- und Leidensgeschichte von Geburt an beginnend vorlas, sah sich durch seine Halbmondbrille mit schweren Vorwürfen konfrontiert.

Laut Oberstaatsanwaltschaft der WKStA habe der Wirtschaftsberater, der einen esoterischen, ganzheitlichem Ansatz vertritt, mithilfe "von Firmenhüllen" und "einem Rahmenvertrag mit der Schweizer Firma insgesamt rund 6,7 Millionen Franken an Verlusten erfunden" und damit versucht, im Jahr 2022 an gleich hohe COFAG-Förderungen (etwa 5,9 Mio. Euro) des Bundes zu kommen – knapp 50.000 wurden tatsächlich kassiert, der Rest flog rechtzeitig auf.

Schließlich wurde wegen Fluchtgefahr sogar U-Haft verhängt. Auch der Ehefrau des schrulligen Hobby-Quantenphysikers, der "mit 15 Jahren bereits ein Klavierkonzert komponiert" haben will, mangelte es scheinbar nicht an entsprechender Energie. Als Vorständin der AG, die angeblich "geistiges Know-how" anbot, hatte sie bereits viereinhalb Jahre Haft ausgefasst – obwohl sie die Schuld allein beim Steuerberater sah.

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Top-Verteidiger Zaid Rauf erklärte vergeblich, dass sein Mandant die Verluste nicht erfunden habe, sondern sie aus tatsächlich umsetzbaren Projekten zum nachhaltigen Wirtschaften entstanden seien, die allein durch die Pandemie nicht zustande kamen. Besonders nachhaltig war das Geschäftsmodell am Ende wohl dennoch nicht. Das Urteil: vier Jahre Haft, nicht rechtskräftig. Der Angeklagte kam dennoch mit einem Gelöbnis aus der Untersuchungshaft heraus.

{title && {title} } ct, {title && {title} } Akt. 12.05.2026, 15:27, 12.05.2026, 15:21
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