Holprige Premiere für "Klima-Shakira" alias Anja Windl im neuen Look mit grünem Sakko und aufgesteckten Haaren im Klimakleber-Prozess am Wiener Landl. Weil die gebürtige Deutsche auf der Anklagebank chillte, fing sie sich gleich zu Beginn einen Rüffel der Richterin ein: "Füße runter, wir sind hier vor Gericht. Ein bissl Respekt hätte ich mir schon erwartet!"
Ob Blockade-Aktionen auf der A2, vor dem Parlament oder eine Schmier-Attacke mit Exkrementen auf die ÖVP-Zentrale in der Lichtenfelsgasse – die Liste der Delikte ist lang. Windl bekannte sich "nicht schuldig" – im Gegenteil: Die Aktionen seien wichtig gewesen, um Aufmerksamkeit zu generieren. "Ich habe es als notwendig erachtet, diesen Schritt zu gehen."
Mit einer Mischung aus Quarzsand und Superkleber habe sie sich auf Straßen "einbetoniert". "Ich bin am Ende oft alleine auf der Straße gesessen. Ich werde der Polizei nicht beim Ablösen helfen", so die Deutsche zu den Klebeaktionen. "Das Material habe ich mir selbst besorgt." Die Mischung ist als "Mumienhand" bekannt, Windl musste aus dem Asphalt gestemmt werden. "Im Krankenhaus gab man mir Hammer und Azeton. Ich musste die Hand selbst freibekommen."
Das "Gesicht der Letzten Generation", so ihr Verteidiger, nutzte die Anklagebank für eine Rede. "Ich bin in Niederbayern behütet in einer Großfamilie in der Idylle aufgewachsen." Sie habe mit 13 Jahren an einer schweren Depression gelitten. "Das sollte nicht sein. Ich habe gefühlt, da läuft etwas falsch. Unser Leben wird ruiniert und wir sollen nicht dagegen aufbegehren?", so Klimaaktivistin Windl. Sie sei nach der Aktion am Ring in Wien "in ein Loch in der Justizanstalt Josefstadt mit vergittertem Ausblick" gesteckt worden, beschwerte sie sich. "Passen Sie auf, es ist wichtig", herrschte Windl die Richterin an, die sie mit einem "jo, eh" gewähren ließ.
Das Gerichtsverfahren sei "absurd", sie sei froh, "nie Kinder in die Welt gesetzt zu haben". Denn der Menschheit stehe die größte Katastrophe bevor, "die sie je erlebt hat. Ich hab' f*cking Angst." Sie habe sich friedlich gegen eine existenzielle Bedrohung zur Wehr gesetzt. Immer wieder gab es Applaus von Zuschauern im Gerichtssaal. "Nicht schon wieder", so die Richterin genervt. "Oder ich lasse Sie aus dem Saal bringen." Einige Aktivistinnen zogen nach dem Ende der "Letzten Generation" offenbar weiter in die Pro-Palästina-Szene, erschienen mit Palästinensertüchern am Landl.
"Alles fühlt sich wie ein einziger Albtraum an", so die als "Klima-Shakira" bekannte Deutsche. Zumindest dieses Gefühl hat sie wahrscheinlich mit vielen Angeklagten am Wiener Landl gemein. Gegen Windl läuft auch noch ein weiteres Verfahren wegen "Aufforderung zu einer mit Strafe bedrohten Handlung". Urteil am Dienstag: Acht Monate bedingte Haft für Anja Windl – noch nicht rechtskräftig. In dem Mega-Prozess gab es am Dienstag insgesamt vier Schuld- und einen Freispruch, die Unschuldsvermutung gilt.