Der Schutz von Kindern und Jugendlichen im Internet rückt in der EU immer stärker in den Fokus. Die Europäische Kommission hat nun sowohl gegen den beliebten Messengerdienst Snapchat als auch gegen vier große Erotikplattformen verschärfte Maßnahmen angekündigt.
Bei Snapchat ist die Nutzung laut Geschäftsbedingungen für unter 14-Jährige komplett verboten. Die EU-Kommission bezweifelt allerdings, dass diese Regel tatsächlich wirksam umgesetzt wird. Auch bei Nutzern zwischen 14 und 17 Jahren seien die Schutzmechanismen wohl nicht ausreichend.
Wie heise.de berichtet, sieht die Behörde zudem Verbesserungsbedarf beim Schutz Minderjähriger vor böswilligen Erwachsenen. Die Gefahr: Volljährige könnten sich als Jugendliche ausgeben und so das Vertrauen von Kindern erschleichen.
Noch kritischer ist die Lage bei den Erotikplattformen Pornhub, XNXX, XVideos und Stripchat. Diese stehen nur noch einen formalen Schritt vor einem Bußgeld. Der Hauptvorwurf: Die Praxis, dass Nutzer ihre Volljährigkeit mit einem einfachen Klick bestätigen, sei kein ausreichender Schutz.
"Kinder greifen in immer jüngerem Alter auf Erwachseneninhalte zu, und diese Plattformen müssen robuste, privatsphärenschützende und wirksame Maßnahmen ergreifen, um Minderjährige von ihren Diensten fernzuhalten", erklärte EU-Kommissions-Vizepräsidentin Henna Virkkunen.
Sollten die Plattformen die Bedenken der EU nicht ausräumen, könnte es teuer werden. Laut dem Digital Services Act (DSA) drohen Strafen von bis zu sechs Prozent des jährlichen Konzernumsatzes. Gegen den Kurznachrichtendienst X wurde unter dem DSA bereits eine Strafe verhängt.
Die EU arbeitet zudem an einer eigenen App zur Altersverifikation, die es ermöglichen soll, das Alter online nachzuweisen, ohne persönliche Daten mit den Plattformen teilen zu müssen.