Sie heißen "Infinite Scroll", "Pull-to-Refresh" oder "AutoPlay" – was harmlos klingt, hat System. Denn hinter diesen Funktionen steckt eine klare Strategie: User sollen möglichst lange auf der Plattform bleiben. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung der Arbeiterkammer Wien. Besonders alarmierend: Vor allem Kinder und Jugendliche geraten durch diese "Addictive Designs" in eine gefährliche Spirale.
„Suchtverhalten zu erzeugen, ist die Geschäftsstrategie von Social-Media-Plattformen“Laura WiesböckInstitut für Höhere Studien (IHS)
"Suchtverhalten zu erzeugen, ist die Geschäftsstrategie von Social-Media-Plattformen", warnt Laura Wiesböck vom Institut für Höhere Studien (IHS), das im Auftrag der AK ein Bewertungssystem entwickelt hat. Anhand von 55 Kriterien untersuchten die Forscher das Suchtpotenzial von TikTok und Instagram – mit ernüchterndem Ergebnis: TikTok erhielt 44 rote Bewertungen, Instagram 40.
Dabei gehe es nicht nur um die ständige Reizüberflutung: "Push-Nachrichten, Follower-Zahlen und Likes erzeugen sozialen Druck und die ständige Angst, etwas zu verpassen – das sogenannte FOMO", so die Studienautorin weiter. Besonders problematisch sei, dass junge Nutzer oft keine Chance haben, sich diesen Mechanismen zu entziehen.
Ein weiteres Risiko sieht das Institut für Technikfolgen-Abschätzung (ITA) in den Methoden zur Altersverifikation. Diese verarbeiten teils hochsensible Daten wie Ausweise oder biometrische Informationen. Gabriele Zgubic von der AK stellt klar: "Jugendschutz darf nicht zum Datenschutzrisiko werden."
Die AK fordert nun klare gesetzliche Regeln: Bestimmte Designelemente sollen verboten, die Algorithmen der Plattformen offengelegt werden. Gleichzeitig will man Jugendliche und Eltern besser informieren und ruft zu digitalen Schutzmaßnahmen auf. "Bildschirmzeiten begrenzen, Benachrichtigungen abschalten und regelmäßig Pausen einlegen – das sind einfache, aber wirksame Schritte", so Zgubic.