Der frühere Emir von Katar, Scheich Hamad bin Khalifa Al Thani, ist tot. Der ehemalige Herrscher des Golfstaates starb am Sonntag im Alter von 74 Jahren, wie sein Büro mitteilte. Eine Todesursache wurde zunächst nicht bekannt gegeben.
Hamad bin Khalifa Al Thani prägte Katar über Jahrzehnte maßgeblich. Obwohl er bereits 2013 zugunsten seines Sohnes Tamim bin Hamad Al Thani abdankte, gilt er bis heute als Architekt des modernen Katar.
Der Scheich verlor seine Mutter kurz nach seiner Geburt und absolvierte später eine Ausbildung an der renommierten Royal Military Academy Sandhurst in Großbritannien – derselben Militärakademie, die auch Prinz William und Prinz Harry besuchten. Nach seiner Rückkehr machte er Karriere beim Militär, wurde Kronprinz und später Verteidigungsminister.
1995 übernahm er nach einem unblutigen Putsch gegen seinen Vater die Macht und regierte Katar bis 2013.
Hamad bin Khalifa Al Thani war dreimal verheiratet und wurde Vater von 24 Kindern – elf Söhnen und 13 Töchtern. Zwei seiner Ehefrauen waren entfernte Cousinen.
Besonders bekannt wurde seine zweite Ehefrau Sheikha Moza bint Nasser, die Tochter eines Oppositionsführers. Trotz der politischen Spannungen zwischen ihrer Familie und dem damaligen Emir setzte sich Hamad für die Verbindung ein. Als das Paar heiratete, war sie 18 Jahre alt, er 25.
2013 schrieb Hamad Geschichte: Er verzichtete freiwillig auf den Thron und übergab die Macht an seinen Sohn. In den Golfstaaten ist ein solcher freiwilliger Machtwechsel äußerst selten, da Herrscher meist bis zu ihrem Tod im Amt bleiben.
Offiziell begründete er den Schritt damit, der jüngeren Generation mehr Verantwortung übertragen zu wollen.
Während seiner Amtszeit wandelte sich Katar von einem kleinen Golfstaat zu einem der reichsten Länder der Welt. Hamad trieb die Förderung der gewaltigen Erdgasvorkommen voran, gründete den Nachrichtensender Al Jazeera und holte zahlreiche internationale Sportveranstaltungen ins Land.
Nach seiner Abdankung zog er sich weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück und trat nur noch als sogenannter "Vater-Emir" in Erscheinung.