Sammelleidenschaft mit Folgen: Ein 40-jähriger Theologe und früheres Mitglied der Augustiner-Chorherren des Stifts Herzogenburg ist am Montag am Landesgericht St. Pölten wegen schweren Diebstahls und Veruntreuung verurteilt worden.
Der gebürtige Pole hatte laut Anklage 16 wertvolle Klosterschriften aus der Stiftsbibliothek mitgenommen. Einige davon stammen aus dem 16. und 17. Jahrhundert, der Wert soll bei rund 50.000 Euro liegen. Dazu kam ein weißes, goldbesticktes Messgewand im Wert von 300 bis 400 Euro.
Vor Gericht zeigte sich der frühere Mönch reumütig. Er bekannte sich schuldig und sagte, es tue ihm leid, was er gemacht habe. Als Grund nannte er einen Konflikt im Stift. Die Bücher habe er als eine Art Pfand genommen, nachdem seine eigenen gesammelten Gegenstände weggeräumt worden seien.
Die historischen Werke tauchten später bei einer Hausdurchsuchung in einer Wohnung in Wien-Favoriten auf. Mehrere ehemalige Mitbrüder sagten vor Gericht aus, dass der Mann die Bücher keinesfalls in private Räume hätte bringen dürfen.
Die Strafe: zehn Monate Haft, bedingt auf drei Jahre. Das Urteil ist rechtskräftig. Mildernd wertete das Gericht das Geständnis. Erschwerend waren aber die zwei Vergehen und die hohe Schadenssumme. Der Richter erklärte dem 40-Jährigen die bedingte Strafe mit einem Fußball-Vergleich: Er habe nun eine "gelbe Karte". Wird er wieder straffällig, drohen die zehn Monate Haft.
Der Ex-Mönch lebt inzwischen in Warschau und arbeitet in der Nachmittagsbetreuung. Vor Gericht versprach er noch: "Ich sammle nichts mehr."