Die Hoffnung auf günstigeres Tanken nach der Waffenruhe im Iran-Krieg könnte sich als verfrüht erweisen. Ein führender Banken-Ökonom warnt vor dauerhaft hohen Spritpreisen und erwartet kurzfristig nur geringe Entlastung.
Der ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski sieht keine rasche Rückkehr zum Vorkrisenniveau. In seinem Basisszenario geht er davon aus, dass es noch einmal zu einer Eskalation kommen wird, bevor sich die Lage stabilisiert.
"Die Tankpreise gehen leicht zurück. Aber eben auch deshalb, weil wir zu Beginn der Woche durch die Eskalation extrem hohe Preise gesehen haben", sagte der Experte, wie n-tv.de unter Berufung auf T-Online berichtet. Eine vollständige Normalisierung erwartet er erst im vierten Quartal 2026.
Für Deutschland und Europa prognostiziert Brzeski eine neue Inflationswelle. Diese werde "im Sommer in der Spitze auf knapp vier Prozent steigen" und sich "bis ins erste Quartal 2027 hineinziehen". Das Wirtschaftswachstum in Deutschland sieht er bei mageren 0,6 bis 0,7 Prozent.
Die Straße von Hormus, durch die ein Großteil des weltweiten Öltransports läuft, würde laut dem Ökonomen erst über einen Zeitraum von vier bis sechs Wochen langsam wieder aufgehen.
Im ungünstigsten Fall droht laut Brzeski eine Rezession. "Im Worst-Case-Szenario scheitern die Friedensbemühungen und es kommt erneut zu einer Eskalation", warnt er. Dann könnten die Ölpreise stark steigen und die Inflation auf "sechs bis acht Prozent" klettern. "Die deutsche Konjunktur wäre für das Gesamtjahr im Minus."
Auch in Österreich macht sich die Entwicklung bemerkbar, obwohl die Spritpreisbremse für etwas Entlastung sorgt. Die Preise an der Zapfsäule bleiben jedoch auf hohem Niveau.