Die Europäische Zentralbank (EZB) hat heute (11. Juni) eine Erhöhung der Leitzinsen angekündigt – zum ersten Mal seit September 2023.
Der Grund dafür liegt vor allem in den jüngst stark gestiegenen Energiepreisen, die durch den Iran-Krieg ausgelöst wurden und die Inflation antreiben. Besonders für Konsumenten und Kreditnehmer wären Änderungen spürbar.
Die EZB berät alle sechs Wochen über ihre Geldpolitik, um die Preisstabilität im Euroraum zu sichern. Ihr Ziel ist es, die Inflation möglichst nahe bei zwei Prozent zu halten. Die wichtigsten Werkzeuge dafür sind die Leitzinsen, die sowohl Auswirkungen auf Sparer als auch auf Kreditnehmer haben.
Die EZB legt insgesamt drei Zinssätze fest. Der Einlagenzins ist für Banken besonders relevant, da er bestimmt, wie viel sie erhalten, wenn sie überschüssiges Geld bei der Zentralbank parken. Ein hoher Einlagenzins kann dazu führen, dass Banken auch ihren Kunden höhere Zinsen auf Tagesgeldkonten bieten.
Der klassische Leitzins, auch Hauptrefinanzierungssatz genannt, steuert, zu welchen Konditionen sich Geschäftsbanken Geld bei der EZB leihen können. Zusätzlich gibt es den Spitzenrefinanzierungssatz, der in Ausnahmefällen als Obergrenze für kurzfristige Kredite dient.
Für Sparer können höhere Leitzinsen attraktiv sein, da Banken im Wettbewerb um Einlagen oft bessere Zinskonditionen bieten. Laut dem Vergleichsportal Verivox gibt es derzeit Angebote mit bis zu vier Prozent Tagesgeldzinsen – allerdings meist nur für Neukunden und mit befristeter Laufzeit.
Die durchschnittlichen Zinsen für Bestandskunden liegen deutlich niedriger. Laut der Finanzberatung FMH sind für diese Gruppe aktuell keine signifikanten Steigerungen zu erwarten. Höhere Tagesgeldzinsen gehen meist auf den Konkurrenzkampf der Banken um neue Kunden zurück.
Auch Bauzinsen und Kredite werden durch steigende Leitzinsen teurer. Laut dem Darlehensvermittler Dr. Klein sind die Bauzinsen seit Beginn des Iran-Kriegs um 0,3 bis 0,5 Prozentpunkte gestiegen. Kurzfristig ist mit weiteren Schwankungen zu rechnen, mittelfristig dürften die Zinsen aber weiter steigen.