Ein Wiener Polizist half als Führerscheinprüfer jahrelang, nicht ganz sattelfeste Prüflinge durch die theoretische Führerscheinprüfung zu schleusen – wir berichteten. "Falls Sie sich je gewundert haben über die mangelnden Fähigkeiten anderer Verkehrsteilnehmer, wird dieses Verfahren einiges aufklären", so die Staatsanwältin beim Prozessauftakt im März, bevor der Beamte seine teilbedingte zweijährige Haftstrafe ausfasste.
Gegen Geld und Karibik-Einladungen hatte er einfach weggeschaut, während zahlungskräftige Kunden mit Kopfhörern und Kameras ausgestattet, die richtigen Antworten in Echtzeit auf die Theorie-Fragen aus einem Nebenzimmer von der Frau eines Fahrlehrers eingesagt bekamen. Das ausgeklügelte System lief – im wahrsten Sinne des Wortes – wie geschmiert.
Gestern mussten sich der Rest der Führerscheinbande sowie mutmaßliche Vermittler auf der Anklagebank verantworten. Sie hätten rund 2.000-3.000 Euro pro Kunde kassiert und wurden von Zeugen schwer belastet. Es konnte ihnen allerdings nicht nachgewiesen werden. "Ich glaub’ Ihnen kein Wort, sie sind schuldig. Aber Schummeln ist leider nicht strafbar", musste der Richter die wegen Beihilfe zum Amtsmissbrauch und Bestechung angeklagten Helfer zähneknirschend freisprechen.
"Gesetz ist halt Gesetz, ob nachvollziehbar oder nicht", zuckte Verteidiger-Doyen Peter Philipp mit den Schultern, nahm das Urteil dankend an. Aber in seiner über 50 Jahre andauernden Karriere als Anwalt habe er "sowas noch nicht erlebt". Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.