Lichtblick im Drama rund um die drohende Abschiebung von zwei Geschwistern: Victoria und Joseph O. haben am Montag beim Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl (BFA) erneut Anträge auf ein humanitäres Bleiberecht gestellt. Frühere Versuche waren gescheitert, nun könnte Bewegung in die Causa kommen.
Denn zuletzt ließ das Innenministerium in Wien durchblicken, dass eine Neubewertung möglich wäre. Auf Anfrage der APA wurde betont, dass in vergleichbaren Fällen in der Vergangenheit "humanitäres Bleiberecht zugesprochen und die Abschiebung letztlich nicht durchgeführt" wurde. Mit den neuen Anträgen legten die Geschwister umfangreiche Unterlagen vor: Dutzende Unterstützungsschreiben aus ihrem Umfeld, Nachweise über ehrenamtliche Tätigkeiten, Einstellungszusagen, arbeitsrechtliche Vorverträge sowie Ausbildungsnachweise.
Der öffentliche Druck ist groß. Tausende Menschen gingen zuletzt für die beiden auf die Straße: In Innsbruck (T.) versammelten sich am Samstag (18.4.) rund 1.500 Personen bei der Annasäule, in Wien protestierten etwa 400 Personen vor dem Innenministerium in der Wiener Herrengasse. Eine Petition für ein Bleiberecht brachte es auf fast 50.000 Unterschriften.
Auch von Organisationen kommt klare Unterstützung. "Der Ball liegt beim Innenministerium. Die überwältigende Unterstützung, die Joseph und Victoria in den letzten Wochen erhalten haben, spricht Bände. Joseph und Victoria gehören zu uns und sind Teil unserer Gemeinschaft", heißt es unter anderem von der Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH).
Rechtsanwalt Norbert Kittenberger zeigt sich optimistisch: "Selten zuvor in meiner beruflichen Laufbahn habe ich so gut integrierte Menschen wie Joseph und Victoria kennengelernt. Mir wurden umfassende Nachweise der bilderbuchhaften Integration übermittelt. Es war eine Freude, die neuen Anträge auszuarbeiten. Rechtlich steht positiven Entscheidungen nichts entgegen, man muss nur wollen."
Die beiden Geschwister leben seit über acht Jahren in Österreich und haben sich in Innsbruck ein Leben aufgebaut. Joseph studiert Betriebswirtschaft am MCI, Victoria absolviert eine Ausbildung im IT-Bereich. Trotz sehr guter Integration droht ihnen weiterhin die Abschiebung nach Nigeria – ein Land, zu dem sie kaum einen Bezug haben. Jetzt ist Innenminister Gerhard Karner (VP) am Zug – ob aus Hoffnung tatsächlich ein Bleiberecht wird, entscheidet sich in den kommenden Wochen.