Demo in der Wiener City

"Sind Tiroler" – Geschwister kämpfen gegen Abschiebung

Seit Jahren kämpfen Victoria und Joseph um ihr Leben in Österreich. Jetzt droht die Abschiebung – obwohl sie hier längst zu Hause sind.
Jana Stanek
10.04.2026, 17:13
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"Wir wollen bleiben!" Immer wieder wiederholen die Geschwister Victoria (24) und Joseph Oshakuade (22) diese Worte in breitem Tiroler Dialekt. Den beiden droht die Abschiebung nach Nigeria – trotz vorbildlicher Integration. Dreimal wurde ihr Asylantrag bereits abgelehnt, doch die beiden hören nicht auf zu kämpfen. "Im Herzen sind wir Österreicher, Tiroler!"

Kein Anschluss in Nigeria

Victoria und Joseph sind vor achteinhalb Jahren von Nigeria nach Österreich geflüchtet. "Das war die Entscheidung unserer Eltern. Ich erinnere mich kaum noch daran", erzählt Victoria. Sollten die Geschwister tatsächlich abgeschoben werden, müssten sie in ihr Geburtsland zurückkehren. "Wir haben unsere Eltern seit Jahren nicht gesehen und sprechen nur sehr selten mit ihnen. Freunde haben wir dort keine", sagt die 24-Jährige.

Warum ihre Familie die beiden damals als Minderjährige alleine nach Österreich geschickt hat, wissen sie nicht genau. "Wenn die Situation in Nigeria gut gewesen wäre, hätten sie das sicher nicht getan", vermutet Victoria.

Abschiebung trotz Integration

Die Geschwister haben sich in Tirol perfekt eingelebt und dort die Matura absolviert. Joseph studiert jetzt in Innsbruck, seine Schwester macht eine IT-Ausbildung. Vor wenigen Wochen wurden beide unvermittelt aus ihrem Alltag gerissen: Die Polizei startete einen Abschiebeversuch. "Ich hatte extreme Angst, als die Polizei vor unserer Tür stand", beschreibt der 22-Jährige die Situation. "Ich war ganz schwach, konnte mich nicht bewegen oder sprechen."

„Das war der schlimmste Tag“
Joseph Oshakuadeüber den Tag des Abschiebungsversuches

Wie Straftäter seien sie in Schubhaft gebracht worden. Informationen darüber, wie es weitergeht, hätten sie nicht erhalten: "Wir wussten nie, wo der andere war. Uns wurde nichts gesagt. So etwas wollen wir nie wieder erleben. Das war der schlimmste Tag." Zwar wurden sie später wieder entlassen, doch: "Die Angst bleibt."

Riesige Demos angekündigt

Eine Welle der Solidarität entstand, als der Fall der Geschwister bekannt wurde. Tausende unterstützen ihren Wunsch, in Österreich bleiben zu dürfen. Zwei Demonstrationen in Wien und Innsbruck sollen nun die Politik wachrütteln.

Vor dem Innenministerium in der Hauptstadt (Herrengasse 7) will man ab 18:00 Uhr auf sich aufmerksam machen, protestieren und laut sein. "Wir haben immer noch Hoffnung, einfach ein normales Leben in Ruhe führen zu können", sagen Victoria und Joseph.

Ein letzter Lichtblick

Auf APA-Anfrage erklärte das Innenministerium, die beiden hätten 2017 den ersten Asylantrag gestellt. Dieser sei, wie zwei weitere bis zu den Höchstgerichten abgewiesen worden. Eigentlich stünde nun die Ausreise an, doch die Geschwister bleiben.

Nun gibt es die Möglichkeit, einen Antrag auf humanitäres Bleiberecht zu stellen – und genau das tun Victoria und Joseph mit ihrem Rechtsbeistand nun. Erfolgreich können diese dann sein, wenn sich die Umstände geändert haben. Das könnte durch die seit 2022 fortgeschrittene Integration gut möglich sein.

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