Sie haben Matura gemacht, studieren, arbeiten und leben seit Jahren in Tirol. Joseph (22) und Victoria (20) kamen als unbegleitete Minderjährige nach Österreich, wuchsen im SOS-Kinderdorf auf und haben sich hier ein neues Leben aufgebaut. Für viele sind sie ein Paradebeispiel gelungener Integration. Doch genau diese beiden sollen jetzt abgeschoben werden.
Für die Geschwister ist das ein Schock. Ihr Alltag spielt sich längst in Innsbruck ab, ihr Freundeskreis, ihre Ausbildung, ihre Zukunft – alles ist hier. Zu Nigeria, wohin sie abgeschoben werden sollen, haben sie laut eigenen Aussagen kaum noch Bezug – berichtet der "Standard".
Der Wendepunkt kam im März: Auch ihr dritter Asylantrag wurde abgelehnt. Kurz darauf griff die Fremdenpolizei zu. Die Geschwister wurden festgenommen, getrennt voneinander nach Wien gebracht – ohne Vorbereitung, nur mit dem, was sie am Körper trugen.
In Wien mussten sie bei den Behörden und der nigerianischen Botschaft erscheinen. Dort sollte alles für die Abschiebung vorbereitet werden - doch genau hier kam es zu einer unerwarteten Pause.
Denn die Botschaft stellte keine Heimreisedokumente aus. Ohne diese Papiere kann eine Abschiebung nicht durchgeführt werden. Für Joseph und Victoria bedeutet das vorerst Aufatmen – doch die Unsicherheit bleibt. Das Innenministerium stellt klar: Die Außerlandesbringung ist weiterhin geplant. Sobald die nötigen Dokumente vorliegen, könnte es schnell gehen.
Der Fall sorgt inzwischen für breite Kritik. Die Hochschülerschaft in Innsbruck fordert in einem offenen Brief, den beiden eine Zukunft in Österreich zu ermöglichen. Auch politisch wächst der Druck: SPÖ-Ministerin Eva-Maria Holzleitner sowie Tirols SPÖ und FPÖ-Chef Markus Abwerzger sprechen sich gegen die Abschiebung aus. Abwerzger nennt den Fall "tragisch" und bringt ein humanitäres Bleiberecht ins Spiel.
Das Innenministerium verweist hingegen auf die Rechtslage. Drei Asylanträge wurden abgelehnt, zudem spricht man von "beharrlicher Ausreiseverweigerung". Deshalb sei die Abschiebung vorgesehen.
Zusätzlich wurde ein zweijähriges Einreiseverbot verhängt. Dagegen läuft noch eine Beschwerde beim Verfassungsgerichtshof. Zwei junge Leben, die in Österreich begonnen haben – und jetzt vor dem abrupten Ende stehen. Ihr Fall sorgt für immer mehr Zündstoff.