Mit versteckter Technik sollen Fahrschüler in Wien jahrelang durch die Theorieprüfung für den Führerschein geschummelt worden sein. Am Wiener Landl standen deshalb nun mehrere Angeklagte vor Gericht. Eine zentrale Rolle spielte laut Anklage ein ehemaliger Polizist, der als Prüfer in zwei Fahrschulen in Wien-Alsergrund eingesetzt gewesen sein soll.
Fast sechs Jahre lang soll das System funktioniert haben. Mithilfe von Mikrofonen und Kameras wurden Schüler während der Prüfung verkabelt. Ein IT-Techniker kümmerte sich zunächst um die Fernsteuerung der Prüfungscomputer und später um die technische Ausrüstung der Kandidaten. Seine Frau soll die Fragen von einem anderen Gerät aus beantwortet oder den Prüflingen eingesagt haben.
Zwei weitere Männer sollen laut Anklage Kunden vermittelt und das Geld kassiert haben. Mehrere Tausend Euro sollen Schüler für die Schummeleien insgesamt bezahlt haben, um die Theorieprüfung zu bestehen. Der Polizist soll die Schummelei bewusst "übersehen" haben. Laut Anklage erhielt er dafür Geld oder Einladungen zum Essen. Auch gemeinsame Urlaube in der Dominikanischen Republik mit dem IT-Techniker und dessen Frau standen einmal pro Jahr am Programm.
Vor Gericht räumte der ehemalige Beamte Amtsmissbrauch ein. Seine Verteidigerin erklärte, er sei in die Sache "hineingeschlittert". An viele Details will sich der Wiener aber nicht mehr erinnern können. Wie viel Geld er erhalten oder wie viele Prüflinge er durchgewinkt habe, wisse er nicht mehr.
Der Richter konfrontierte ihn im Prozess mit Zeugenaussagen: Viele hätten angegeben, zwischen 2.000 und 3.000 Euro bezahlt zu haben. Der Angeklagte soll davon jedoch nur einen Teil bekommen haben.
Der Ex-Polizist kam mit einem milden Urteil davon: zwei Jahre teilbedingte Haft wegen Amtsmissbrauch und Bestechlichkeit. Auch der IT-Techniker bekannte sich schuldig, Teil der Gruppe gewesen zu sein. Er kassierte ein Jahr bedingte Haft als Zusatzstrafe zu einer Bewährungsstrafe für Wiederbetätigung – nicht rechtskräftig.
Die Frau des Technikers habe laut "Krone"-Bericht von den Schmiergeldern nichts gewusst, argumentierte ihr Verteidiger. Dass sie beim Einsagen der Antworten geholfen habe, sei in Österreich nicht strafbar. Die beiden mutmaßlichen Anwerber – einer vertreten von Top-Anwalt Peter Philipp – bestreiten hingegen jede Beteiligung. Die Verhandlung wurde für sie vertagt, das Verfahren wird mit weiteren Zeugen fortgesetzt. Die Unschuldsvermutung gilt.