Der Todesfall der tagelang vermissten Danka (2) erschütterte ganz Serbien. Während unermüdlich nach dem Mädchen gesucht wurde, landeten dutzende Falschinformationen auf den Titelblättern lokaler Zeitungen sowie in TV-Sendungen. In seiner eigenen Show ließ Zoran Kesić einige Ausschnitte kommentarlos in seiner Sendung ausspielen.
"Immer wieder steht das Team dieser Sendung vor einem Dilemma: Entweder das Erwähnen eines weder unterhaltsamen noch satirischen Themas oder das Festhalten an Gewohntes", eröffnete der TV-Host der Satire-Sendung "24 minuta sa Zoranom Kesićem" (zu Deutsch: "24 Minuten mit Zoran Kesić") über den Todesfall. Dann holte der Talkmaster aus.
Rückblick:
Am 26. März 2024 verschwand die zweijährige Danka im serbischen Banjsko Polje bei Bor gegen 13.45 Uhr spurlos.
Nach dem Mädchen wurde weltweit per Interpol-Fahndung gesucht, auch die Wiener Polizei fahndete nach dem Auftauchen eines Videos vom Samstag am Schottenring in Wien nach dem Kind. Zwei Frauen gerieten allerdings fälschlicherweise ins Visier, die Fahndung wurde am Donnerstagmorgen widerrufen.
Nur Stunden später gab Serbiens Präsident Aleksandar Vučić den Tod Dankas bekannt.
Mittlerweile kommen von offizieller Stelle neue Details ans Licht: Danka wurde laut Polizeisprecher Bratislav Gašić angefahren, in den Kofferraum des Firmenautos zweier Männer gezerrt und in einer Deponie abgelegt.
Ihre Leiche wird weiterhin gesucht.
In einem 10-minütigen Ausschnitt zeigte der eigentlich als Satiriker bekannte Serbe dutzend Falschmeldungen in lokalen Medien.
Der "Srpski Telegraf" berichtete unter anderem auf einem Titelblatt ihrer Zeitungsausgabe, dass "Danka nicht an diesem Ort verschwunden ist, welchen die Mutter angezeigt hatte". Dass das Mädchen jedoch direkt an Ort und Stelle verschwunden war, welchen die Mutter angegeben hatte, bestätigte Serbiens Innenminister Bratislav Gašić in einer Pressekonferenz – "Heute" berichtete.
Selbiges Medium behauptete auch mehrfach, dass das Kind gekidnappt worden sei. Das Wien-Video war für die serbische Zeitung der "Schlüsselbeweis", doch: Obwohl die Wiener Polizei am 3. April offiziell nach dem Kind in Wien gesucht hatte, löste sich die heiße Spur nicht einmal 24 Stunden später in Luft auf – mehr dazu hier.
Die Zeitung "Informer" schoss sich hingegen auf die Mutter des toten Kindes ein. Dankas Mama wurde einem Titelblatt unter anderem mit den Worten "Habe Danka nicht verkauft" zitiert. Auf einer anderen Ausgabe hieß es auf der Startseite, dass "Danka von Naheliegenden verkauft" wurde.
Die Beschuldigungen stellten sich nicht als wahr heraus – zwei 50-Jährige gestanden die Horror-Tat und gaben zu, das Kind angefahren, in den Kofferraum ihres Firmenautos gesteckt, erwürgt, in eine Deponie geworfen und später an einen bislang unbekannten Ort gebracht zu haben.
Das Medium "Alo!" behauptete wiederum auf deren Titelblatt, dass Dankas Mutter Bilder und Nachrichten aus ihrem Handy gelöscht haben soll – dies soll für "Alo!" ein Indiz für mutmaßlichen Kinderhandel gewesen sein. Auch diese Behauptung war eine glatte Lüge.
Auch der Vorwurf, dass Dankas Mutter vor dem Verschwinden des Kindes eine serbisch-rumänische Grenze gegoogelt hatte, entpuppte sich als Falschmeldung.
Auf ihrem hauseigenen TV-Sender holte "Informer" ganz weit aus: Hinweise auf mutmaßliche sexuelle Belästigung auf einem Foto von Danka auf dem Schoß eines "Weihnachtsmannes" waren dem Medium genauso wichtig wie der falsche Vorwurf, dass die Mutter des toten Kindes vor dem Vermisstenfall die serbisch-rumänische Grenze gegoogelt haben soll.
Der Kanal von "Informer" ging in einer Live-Schaltung so weit, dass vor dem Haus der Eltern von Danka gefilmt wurde. Als der Onkel der toten Danka darum bat, den Ort zu verlassen, kamen kuriose Aufforderungen aus dem Studio: "Schlag ihn Rafa" (zu Deutsch: "Udari ga Rafa"), das wird gut für die Interaktion (zu Deutsch: "pa to će da bude dobro za šer").
Aufnahmen von Karsamstag sollen das Mädchen in Begleitung von zwei Frauen in Wien zeigen.
Serbiens wohl bekannteste TV-Lady Jovana Jeremić soll in einer Live-Schaltung genau gewusst haben, dass "Vater und Mutter wissen, wo das Kind ist", die Mutter kaltblütig sei und nahe Familienangehörige in solchen Fällen immer etwas mit "Trafficking" zu tun hätten – allesamt "Fake News". Statt einer Entschuldigung lieferte Jeremić live eine Hass-Tirade gegen "andere Medien", die ihr angeblich schaden wollten.