Spektakulärer Raubversuch am Dienstagabend in Wien-Döbling! Ein bewaffneter Mann stürmte eine Postfiliale, bedrohte Mitarbeiter mit einer Waffe und forderte Bargeld. Doch zwei Geldsäcke waren dem Täter offenbar nicht genug. Seine Flucht endete noch im Gebäude – auch dank des mutigen Einsatzes eines Augenzeugen. Sein Name: Konrad C.
Kurz vor 18 Uhr betrat der maskierte Mann die Postfiliale und richtete eine täuschend echt aussehende Schusswaffe auf die Angestellten. Um seinen Forderungen Nachdruck zu verleihen, lud er die Waffe gleich zweimal nach. Dabei wurde sogar eine Patronenhülse ausgeworfen.
Ein Mitarbeiter übergab dem Räuber Bargeld aus zwei Kassen und verstaute das Geld in einem Sack. Doch damit gab sich der Mann nicht zufrieden. Er verlangte zusätzlich Geld aus dem Tresor. Als ihm erklärt wurde, dass sich dort kein Bargeld befinde, ging er selbst in den hinteren Bereich der Filiale, um nachzusehen.
Die dramatischen Szenen bekam auch Konrad C. mit, der gegen 17.30 Uhr die Post betreten wollte, um einen eingeschriebenen Brief abzuholen.
"Als ich hineinkam, sah ich eine völlig surreale Situation. Kunden lagen eingeschüchtert am Boden, die Mitarbeiter hatten panische Angst. Dann bemerkte ich einen Mann mit Gummimaske und Pistole in der Hand", schildert der 39-jährige Pole gegenüber "Heute".
Der Täter bemerkte den Neuankömmling sofort. Konrad zog sich deshalb vorsichtig wieder zurück. Erst draußen wurde ihm bewusst, dass er gerade Zeuge eines laufenden Raubüberfalls geworden war.
Zunächst warnte er andere Kunden vor der Gefahr und verhinderte so, dass weitere Personen die Filiale betraten. Danach beobachtete er die Situation durch die Glastüren und suchte nach einer Möglichkeit, einzugreifen.
"Mir wurde klar, dass das Leben der Menschen drinnen in meinen Händen lag", erzählt der zweifache Familienvater. Eine Post-Mitarbeiterin habe ihm schließlich durch Lippenbewegungen signalisiert, die Polizei zu verständigen.
Während der Augenzeuge auf die Einsatzkräfte wartete, suchte er eine günstige Position, um den Täter im entscheidenden Moment überwältigen zu können.
Als mehrere Polizeistreifen eintrafen, wollte der Räuber die Filiale verlassen. Die Waffe hielt er dabei hinter seinem Rücken verborgen, erzählt Konrad im "Heute"-Gespräch. In diesem Moment griff der Augenzeuge ein: "Als sich die Gelegenheit ergab, riss ich ihn zu Boden und verhinderte, dass er die Waffe einsetzen konnte."
Gemeinsam mit den eintreffenden Polizisten wurde der Verdächtige schließlich überwältigt und festgenommen. Noch vor dem Verlassen des Gebäudes klickten für den mutmaßlichen Räuber die Handschellen.
Bei dem Festgenommenen handelt es sich um einen 60-jährigen Österreicher. Die vermeintliche Schusswaffe stellte sich später als Luftdruckwaffe heraus. Für die Mitarbeiter der Postfiliale war der Überfall dennoch ein Schock. Eine Angestellte erlitt eine Panikattacke und musste von der Berufsrettung Wien zur weiteren Behandlung in ein Krankenhaus gebracht werden. Die Ermittlungen werden nun vom Landeskriminalamt Wien geführt.
Der mutige Augenzeuge bewies in der Ausnahmesituation Zivilcourage und behielt dabei einen kühlen Kopf. Für die Menschen in der Postfiliale wurde er an diesem Abend zum Helden.