Fast 700.000 Österreicher können nicht schwimmen

Das Strandbad in Klagenfurt
Das Strandbad in KlagenfurtMICHAEL WALCHER / APA / picturedesk.com
Alarmierende Zahlen: Aufgrund der Pandemie entfielen Schwimmunterrichte, 162.000 Kinder können deswegen nicht schwimmen.

In den vergangenen Tagen sorgten mehrere Badeunfälle für Aufsehen. Erst ORF-Legende Peter Elstner, der am Montag ertrank, dann ein erst 18 Jahre alter Jugendlicher in der Neuen Donau. Heuer könnte es zu mehr tödlichen Badeunfällen kommen als gewöhnlich, fürchten Experten.

Schuld ist auch hierbei die Pandemie. Das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) hat dazu 2.300 Österreicher interviewt. Von den Kindern bis 19 Jahren waren 32 Prozent in den vergangenen zwölf Monaten überhaupt nie schwimmen. 2019 waren es nur 14 Prozent, also weniger als halb so viele. Auch bei den Erwachsenen hat sich der Anteil verdoppelt, von 20 auf 44 Prozent.

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Zwei Drittel weniger Schwimmstunden

Diese Entwicklung schlug sich noch krasser auf die Anzahl der entfallenen Schwimmstunden nieder. Schwammen Schüler im Alter von sechs bis 19 Jahren vor der Pandemie noch rund 6.200.000 Stunden, waren es heuer nur mehr 2.000.000. So kommt es, dass aktuell 162.000 Kinder in diesem Alter nicht schwimmen können.

"Schwimmen ist eine unvergleichbare Überlebenstechnik, deshalb ist es für jedes einzelne Kind ganz besonders wichtig, schwimmen zu lernen. Und das braucht Zeit, Übung und auch Erfahrung mit dem Element Wasser", so Dr. KFV-Direktor Dr. Othmar Thann.

Lautloses Ertrinken

Die Anzahl der tödlichen Ertrinkungsunfälle in Österreich variiert zwischen 22 und 47 pro Jahr, heuer könnten es wegen der fehlenden Übung noch mehr sein. Bei Kinderunfällen ist es gar die zweithäufigste Todesursache. "Auf jedes Kind, das ertrinkt, kommt statistisch gesehen noch ein Kind dazu, das zwar gerettet wurde, aber mit schweren Gehirnschäden leben muss", so Thann.

Aktuell können zwischen sieben und acht Prozent der Österreicher nicht schwimmen, das sind fast 700.000 Personen. Weitere 20 Prozent schätzen ihre Fähigkeiten als sehr unsicher, unsicher oder mittelmäßig ein. Vor allem die einkommensschwachen Teile der Bevölkerung trifft das seit der Pandemie besonders.

Was sich die Österreicher mehr wünschen würden: Mehr Bäder und öffentlicher Zugang zu Gewässern in Österreich, mehr und gratis Angebote an Schwimmkursen, Frauentage in Schwimmbädern und Kurse für Erwachsene.

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