Prävention statt Angst

Fast die Hälfte aller Demenzfälle wäre vermeidbar

Wissenschaftler fordern eine Datenwende: Mit besseren Gesundheitsdaten und Apps könnten Millionen Demenzfälle verhindert werden.
Technik Heute
27.03.2026, 11:30
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Die deutschen Wissenschaftsakademien Leopoldina, acatech und Akademienunion haben eine Stellungnahme veröffentlicht, die einen Paradigmenwechsel fordert: weg von der Angst vor Demenz, hin zur positiven Ressource Gehirngesundheit.

Die Zahlen sind alarmierend: In Deutschland leben aktuell 1,8 Millionen Menschen mit Demenz - bis 2050 könnten es 2,7 Millionen sein. Die Kosten für das Gesundheitssystem betragen schon jetzt 83 Milliarden Euro jährlich und könnten bis 2060 auf 195 Milliarden Euro ansteigen.

Laut heise.de, das über die Stellungnahme berichtet, seien bis zu 45 Prozent aller Demenzfälle potenziell durch Prävention vermeidbar. So erklärte Prof. Dr. Svenja Caspers vom Universitätsklinikum Düsseldorf: "Bis zu 45 Prozent aller Demenzfälle sind potenziell durch Prävention vermeidbar."

Bessere Datennutzung gefordert

14 beeinflussbare Risikofaktoren wurden identifiziert - von geringer Bildung über Hörverlust und hohem Cholesterinspiegel bis hin zu sozialer Isolation und Luftverschmutzung. Das Problem: Diese Erkenntnisse müssen erst in die Praxis überführt werden.

Die Akademien fordern daher eine bessere Vernetzung von Gesundheitsdaten. In Deutschland existieren zwar bereits Abrechnungsdaten der Krankenkassen und bildgebende Daten in Kliniken - aber keine einheitliche Struktur, die diese Quellen verknüpft.

Apps sollen helfen

Ein wichtiges Element der Strategie sind wissenschaftlich fundierte Apps. Diese sollen nicht einfach nur Daten sammeln, sondern gezielt jene Gehirnfunktionen testen, die sich in frühen Stadien von Alzheimer verändern. So könnten auch Menschen erreicht werden, die sonst keinen einfachen Zugang zum Gesundheitssystem haben.

Die Experten vermeiden bewusst den Begriff "Demenzprävention" und sprechen stattdessen von "Gehirngesundheit". Prof. Dr. Joachim L. Schultze vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen erklärt: "Gehirngesundheit ist eine positive Ressource. Wir wollen nicht vor der Krankheit Angst machen."

Früh beginnen

Einig sind sich alle Beteiligten: Wer erst im Alter mit der Vorbeugung beginnt, beginnt zu spät. Schon im Kindes- und Jugendalter können wichtige Weichen gestellt werden. Die Forderung: Die bestehende Nationale Demenzstrategie soll ab 2026 in eine "Dekade für Gehirngesundheit" überführt werden.

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