Große Aufregung in Argentinien! Dem Juristen Jorge Delhon sollte der Prozess gemacht werden – er soll in einen Korruptionsskandal bei der FIFA verwickelt sein. Doch das Verfahren findet nicht statt, denn der 52-Jährige tötete sich vorher selbt. Er warf sich in einem Vorort von Buenos Aires vor einen Zug.
Selbstmord nach Aussage
Delhon war für die Koordination der TV-Übertragungen der argentinischen Fußball-Liga verantwortlich. Bei der Rechtevergabe soll es nicht mit rechten Dingen zugegangen sein, auch der argentinische Staat leitete Ermittlungen ein. Kurz vor dem Selbstmord des Anwalts hatte der argentinische Medienunternehmer Alejandro Burzaco in New York ausgesagt, dass er von 2005 bis 2014 vier Millionen Dollar an Delhin und einen weiteren Beamten bezahlt habe. Der zweite Beschuldigte streitet die Vorwürfe ab. Delhon scheint keinen anderen Ausweg als den Selbstmord mehr gesehen zu haben.
WM gekauft?
Interessant: Burzaco beschuldigte im Rahmen des Prozesses auch Katar, Stimmen für die WM-Vergabe 2022 gekauft zu haben. Die Südamerika-Funktionäre Nicolas Leoz (Paraguay), Ricardo Teixeira (Brasilien) und der 2014 verstorbene frühere Fifa-Vizepräsident Julio Grondona sollen bei der WM-Vergabe im Dezember 2010 betrogen haben.
Dubiose Geldflüsse
Der ehemalige argentinische Verbandschef Grondona soll für seine WM-Stimme eine Million Dollar bekommen haben. Grondona war Mitglied des 22-köpfigen Fifa-Exekutivkomitees, das 2010 in Zürich über die WM-Vergaben 2018 und 2022 abgestimmt hatte. Den Zuschlag erhielten Russland und Katar. Grondona stand mehrfach in der Kritik – unter anderem soll er in dubiose Geldflüsse aus Südafrika verwickelt gewesen sein.
Säcke voll Geld
Auch die anderen Funktionäre sollen den Vorwürfen nach Geld für ihre Stimme für Katar erhalten haben. Dieses wurde entweder auf ein Schweizer Bankkonto eingezahlt oder in Form von Bargeld "in Säcken und Umschlägen übergeben" worden sein. Nicolas Leoz soll von Teixeira und Grondona bedrängt worden sein, als er in Zürich nicht für Katar stimmen wollte. "Sie schüttelten ihn und fragten, was machst du? Stimmst du nicht für Katar?", sagt Alejandro Burzaco, der ehemalige Chef der argentinischen Sportmarketingfirma Torneos und Produzent der wichtigsten Sportkanäle in Argentinien und in anderen Ländern Südamerikas. Der WM-Gastgeber Katar bestreitet die Anschuldigungen.
(gr)