Von wegen „Good Vibes Only“!
Beim Glücksgefühle-Festival am Hockenheimring ist nach dem Eklat rund um Alphaville endgültig eine politische Debatte ausgebrochen. Und mittendrin befindet sich plötzlich auch Österreich-Star Andreas Gabalier.
Verantwortlich dafür ist Rapperin Nura.
Die 37-Jährige stand am Freitag auf der Dopamin Stage – und machte schnell klar, dass sie sich mit politischen Aussagen keineswegs zurückhalten wird.
Dabei schoss sie direkt gegen Gabalier.
In einem Video, das Nura selbst auf Instagram veröffentlichte, fällt die unmissverständliche Ansage: "Fick Andreas Gabalier."
Doch damit nicht genug. Auf der Bühne griff sie anschließend die große Kontroverse auf, die das Festival seit Tagen beschäftigt.
"Andreas Gabalier darf hier auftreten und Alphaville nicht, oder was?", fragte Nura ihr Publikum. Laut "Rhein-Neckar-Zeitung" reagierten zahlreiche Besucher mit Jubel.
Warum Nura ausgerechnet den österreichischen Sänger als Gegenbeispiel auswählte, erklärte sie in diesem Moment nicht näher. Gabalier gehört wie Nura zum Line-up des Festivals.
Hintergrund ist die kurzfristige Ausladung von Alphaville.
Die "Forever Young"-Band hätte ursprünglich ebenfalls am Freitag beim Glücksgefühle-Festival auftreten sollen. Zuvor war allerdings ein Streit um politische Äußerungen von Sänger Marian Gold entstanden.
Gold hatte sich bei Auftritten unter anderem gegen Rechtsextremismus und für Demokratie, Freiheit und Toleranz positioniert.
Die Festivalveranstalter wollten ihre Veranstaltung dagegen möglichst "unpolitisch" halten. Nachdem keine Einigung darüber erzielt werden konnte, ob Alphaville auf politische Aussagen verzichten würde, flog die Band zunächst aus dem Programm.
Alphaville sprach daraufhin von einem "Maulkorberlass".
Nach massiver öffentlicher Kritik ruderten die Veranstalter zurück, entschuldigten sich und luden Alphaville wieder ein. Die Band lehnte das Angebot allerdings ab und kündigte an, ihre vereinbarte Gage zu spenden.
Nura machte am Freitag deutlich, was sie von der Vorstellung eines völlig unpolitischen Auftritts hält.
Dabei verwies die Rapperin auch auf ihre eigene Biografie und Hautfarbe.
"Ich bin schwarz, wollt ihr mich verarschen?", fragte sie ihr Publikum. Für sie sei es kaum möglich, ihre eigene Person und ihre Musik von gesellschaftspolitischen Themen zu trennen.
Während ihres Auftritts positionierte sie sich zudem ausdrücklich gegen rechts.
Damit wurde Nuras Show praktisch zum Gegenentwurf dessen, was die Veranstalter mit ihrer ursprünglichen "keine Politik"-Linie erreichen wollten.
Nura ist längst nicht die einzige Musikerin, die sich in den Streit einschaltet.
Campino hatte das Glücksgefühle-Festival zuvor drastisch als "beschissenes Piss-Festival" bezeichnet und Alphaville-Sänger Marian Gold bei einem Konzert der Toten Hosen in Münster auf die Bühne geholt. Gemeinsam spielten sie "Forever Young".
Auch Culcha Candela kündigten an, beim eigenen Festivalauftritt Haltung zeigen zu wollen. DJ Beauty & the Beats sagte seinen Auftritt aus Protest sogar komplett ab.
Ausgerechnet der Versuch, Politik von den Bühnen fernzuhalten, hat damit eine der größten Debatten des Festivals ausgelöst.
Und nun ist auch Andreas Gabalier Teil davon.
Der Österreicher selbst hat auf Nuras "Fick Andreas Gabalier"-Ansage bislang nicht öffentlich reagiert.