„Ich habe noch nie so ein heftiges Fluchtverhalten erlebt“, sagte ein Polizist am Dienstag im Zeugenstand in St. Pölten vor Gericht.
Was war passiert? Ein mehrfach vorbestrafter 23-jähriger Tschetschene (Anm.: unter anderem wegen Raubes vorbestraft) hatte im Vorjahr elektronischen Hausarrest, entledigte sich der Fußfessel und tauchte schließlich im Oktober 2019 unter.
Am 20. März 2020 wurde die Exekutive wegen eines lauten häuslichen Streites in der St. Pöltner Herzogenburger Straße alarmiert. Die Frau (Anm.: wohnt im dritten Stock, dort war der Tschetschene untergetaucht) lief den Beamten bereits entgegen, der 23-Jährige hatte sich im Dachgeschoss verschanzt. Vorsichtig gingen die Polizisten hinauf, stellten den Tschetschenen und forderten ihn mit gezogener Pistole auf, sich flach auf den Boden zu legen.
Doch der 23-Jährige setzte alles auf eine Karte, attackierte die bewaffneten Beamten, stieß einen Gesetzeshüter zur Seite, dem anderen Polizisten versetzte er im Vorbeilaufen einen Faustschlag. Es folgte ein wildes Gerangel, der Tschetschene trat mit Händen und Füßen um sich, warf einen Polizisten über die Stiegen. Der Beamte wurde schwer verletzt (Schulter ausgekugelt und gebrochen, er ist heute noch dienstunfähig), der andere Uniformierte erlitt Abschürfungen und Prellungen.
Der Tschetschene entkam schließlich tatsächlich über Gärten und Höfe, wurde aber im Zuge einer Großfahndung rund 15 Minuten später in St. Pölten gestellt. Im BMW des Täters fanden die Beamten noch einen falschen Pass (litauischer Pass).
Vor Gericht zeigte sich der Angeklagte zwar geständig, spielte den Vorfall aber hinunter, verharmloste den Angriff. Der über die Stiegen (rund 25) gestürzte Polizist meinte im Zeugenstand: "Ich dachte ich hebe regelrecht ab."
Das Urteil: Zwei Jahre Haft wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt plus neun Monate Widerruf. In Summe muss der Tschetschene jetzt 33 Monate absitzen (nicht rechtskräftig).