Das war ein wirklich bitteres Ende der Urlaubsreise. Der E-Rollstuhl von Sophie-Marie (18) wurde von einer Airline "verlegt". Die Schülerin ist auf ihren Rollstuhl angewiesen, der Verlust verursachte große Mühen, sogar Schmerzen.
Die HTL-Schülerin reiste mit ihren Eltern in die Nähe von Malaga (Spanien): "Wir haben dort Urlaub gemacht und die Großeltern besucht, die dort überwintern", berichtet ihre Mutter, Sabine R. (54). Am vergangenen Donnerstag wurde dann die Heimreise angetreten.
Von Malaga aus sollte es mit einer spanischen Fluglinie über Madrid wieder nach Wien retour gehen: "Es ging in Malaga schon damit los, dass der Flug um eine Stunde verspätet gestartet ist. Um 20 Uhr sind wir dann schließlich in Madrid gelandet", berichtet die Niederösterreicherin aus dem Bezirk Korneuburg.
Beim Umstieg in den Flieger nach Wien beobachtete die Familie noch das Ausladen des E-Rollis: "Wir waren beim Boarding unter den Letzten", berichtet Sabine R. In Wien folgte dann die böse Überraschung: Die Familie landete wohlbehalten, der Rollstuhl nicht: "Das Bordpersonal hat uns versichert, dass er da ist, aber das Bodenpersonal konnte ihn nicht finden", ärgert sich die 54-Jährige.
„Wie kann man einen Rollstuhl verlieren?“Sabine R.über das Fehlen des Rollstuhls ihrer Tochter
Doch Sophie-Marie ist auf den blitzblauen Rolli angewiesen. Die 18-Jährige hat spastische Tetraparese: "Sie war eine Frühgeburt und wurde per Not-Kaiserschnitt geholt. Sophie-Marie hatte dann schwere Gehirnblutungen. Aufgrund der Spastik schafft sie nur ganz kurze Strecken, ansonsten kann sie nicht ohne fremde Hilfe gehen", erklärt ihre Mutter. Mit dem Rollstuhl vom Flughafen wurde die Jugendliche noch zum Auto gebracht, danach halfen ihr die Eltern.
Sabine R. setzte alles daran, um den Rollstuhl ihrer Tochter wieder aufzutreiben. Sie meldete den Verlust beim "Lost & Found", führte unzählige Telefonate, unter anderem mit der Airline – das Ergebnis: "Sie wussten nicht, wo der Rollstuhl ist und leiteten eine weltweite Suche ein. Wie kann man einen Rollstuhl verlieren?"
Da Sophie-Marie eine HTL besucht, war natürlich auch der Schulbesuch ein Problem: "Ihr E-Rollstuhl hat rund 9.000 Euro gekostet. Ich habe bei der Firma angerufen, ob sie vielleicht einen gleichwertigen Ersatz hätten. Sie hatten aber nichts Adäquates. Schließlich haben wir ihren alten Rolli aus dem Keller geholt und gereinigt. Der ist ihr aber schon viel zu eng. Zudem muss sie selbst antauchen, um den Antrieb zu aktivieren", erzählt Sabine R.
Mit der Ungewissheit, ob Sophie-Marie ihren Rollstuhl je wiedersehen wird, ging es dann die nächsten Tage weiter: "Am Sonntag hieß es dann, dass er heute kommen soll – er kam aber natürlich nicht." Am Montag musste die 18-Jährige, die diese Woche ihren 19. Geburtstag feiert, mit dem Ersatz-Rolli in die Schule – zehn Stunden Unterricht waren am Programm: "Am Abend hat sie dann gesagt: 'Mir tut mein ganzer Körper weh!'", berichtet ihre Mutter.
„Wenn der Rollstuhl nicht wieder aufgetaucht wäre, hätten wir durch die Finger geschaut“Sabine R.hätte nur Anspruch auf maximal 1.500 Euro gehabt
Montagnachmittag – vier Tage nach der Ankunft – kam dann die erlösende Nachricht: Der Rolli ist da! "Da Sophie-Marie so lange Schule hatte, bin ich dann am Abend selbst zum Flughafen gefahren. Im Lager mit den gefundenen Gepäckstücken ist er dann gestanden – ziemlich zerknautscht, aber er war da. Wo er gewesen ist, konnte mir allerdings niemand beantworten."
Was die 54-Jährige besonders ärgert: "Wenn der Rollstuhl nicht wieder aufgetaucht wäre, hätten wir durch die Finger geschaut. Laut Schlichtungsstelle gilt er als Gepäckstück und wir hätten maximal Anspruch auf 1.500 Euro Entschädigung gehabt. Wir sind schon oft geflogen und haben so einiges erlebt. Aber den Rollstuhl hat zuvor noch keine Fluglinie verloren."