Die Formel-1-WM 2012 bleibt ein spannender Hochgenuss. Lewis Hamilton kürt sich in Montreal am Ort seines ersten Grand-Prix-Sieges exakt fünf Jahre danach zum siebenten neuen Saisonsieger im siebenten Rennen. Damit bleibt die Formel 1 in diesem Jahr nicht zuletzt dank der Reifen ein faszinierendes "Schachspiel", in dem Mensch und Maschine zu gleichen Teilen gefordert sind.
am Ort seines ersten Grand-Prix-Sieges exakt fünf Jahre danach zum siebenten neuen Saisonsieger im siebenten Rennen. Damit bleibt die Formel 1 in diesem Jahr nicht zuletzt dank der Reifen ein faszinierendes "Schachspiel", in dem Mensch und Maschine zu gleichen Teilen gefordert sind.
Durch seinen 18. GP-Erfolg (88 Punkte), allerdings nur zwei Punkte vor Fernando Alonso (86/Ferrari) und drei vor Weltmeister Sebastian Vettel (85/Red Bull). So spannend war die WM seit 30 Jahren nicht mehr.
Das Aufregende am Ergebnis in Montreal ist, dass Sieger Hamilton mit einer anderen Strategie (2 Stopps) unterwegs war als der zweitplatzierte Franzose Romain Grosjean im Lotus sowie der Mexikaner Sergio Perez (jeweils 1 Stopp), der im Sauber vom 15. Startplatz sensationell auf Rang drei fuhr. Gleichzeitig ist bei den anfänglichen Renndominatoren Vettel (4.) und Alonso (5.) die Einstopp-Strategie nicht aufgegangen.
Nicht alle Teams konnten die im Training gesammelten Erkenntnisse im Rennen erfolgreich umsetzen. Bei deutlich höheren Temperaturen als Freitag und Samstag bauten am Renntag die Reifen am Ferrari und Red Bull so stark ab, dass Alonso im Finish auf Rang fünf durchgereicht wurde und der von der Pole gestartete und lange führende Vettel sich nur durch einen spontanen zweiten Wechsel noch auf Platz vier zurückkämpfte.
Reifen bei Red Bull eingebrochen
Red-Bull-Teamchef Christian Horner gibt zu, dass das Rennen "tricky" gewesen sei und man im Nachhinein betrachtet mit einem früheren zweiten Reifenwechsel bei Vettel sogar gewinnen hätte können. Während Grosjean und Perez erstaunlich problemlos durchfuhren, seien die Pirelli-Pneus am RB8 förmlich "eingebrochen", erklärt Horner. Offenbar mussten die Spitzenpiloten der anfangs schärferen Gangart Tribut zollen.
Damit brachte Kanada 2012 mit Hamilton (27), Grosjean (26) und Perez (22) ein "junges" Podium, was die aktuelle Frischzellenkur in der 63. WM-Saison nur noch interessanter macht. Der Genfer Grosjean, vor zwei Wochen in Monaco für seine Startkollision noch kritisiert, glänzte wie noch nie und stellte seinen routinierten Lotus-Teamkollegen Kimi Räikkönen (8.) in den Schatten. Perez sorgte für seinen zweiten Saison-Podestplatz und dort, wo Sauber (BMW) vor vier Jahren den ersten und bisher einzigen GP-Sieg gefeiert hatte, im 333. GP-Rennen der Schweizer wieder für ein Highlight.
Vettel sieht gutes Wochenende
Während Rekord-Weltmeister Michael Schumacher zum fünften Mal (Heckflügeldefekt) ausfiel, spricht Weltmeister Vettel ("Niemand hat erwartet dass die Reifen am Ende so einstürzen, sonst hätten wir es anders gemacht") angesichts der unerwarteten Probleme dennoch von einem guten Wochenende. Alonso tröstet sich über die verlorene WM-Führung damit hinweg, "dass wir wenigstens versucht haben, auf Sieg zu fahren".
Ganz vorne strahlt freilich Hamilton. Der 27-Jährige ist nach seinem Problemjahr 2011 wieder oben angekommen - auch privat, was On-Off-Freundin Nicole Scherzinger in der Box unterstrich. Auf dem Circuit Gilles Villeneuve passt für den Briten fast immer alles. Drei Poles und drei Siege in fünf Starts, das ist beeindruckend. "Ich habe jede Sekunde dieses Rennens genossen", erklärt Hamilton.
1982: Elf Sieger in 16 Rennen
Zwei Wochen vor dem Europa-Grand-Prix in Valencia führt der Brite die Fahrer-WM knapp an, nur Red Bull und McLaren haben nun bereits mehr als ein Saisonrennen (je 2) gewonnen. Insgesamt könnte die Saison so spannend werden wie zuletzt 1982, als es in 16 Rennen elf verschiedene Sieger gab. Dass es am Ende einen Weltmeister mit nur einem Sieg geben könnte, glaubt aber auch Vettel nicht.
Dafür beschäftigt plakativ natürlich die Frage, wer in Spanien der achte Sieger sein könnte? Mit Räikkönen (Lotus) oder Schumacher (Mercedes) stehen sogar Weltmeister auf der Kandidatenliste. Spätestens seit Kanada darf man in dieser "verrückten" WM aber getrost auch Grosjean und Perez dazuzählen.