Plastikverschmutzung in den Weltmeeren nimmt immer bizarrere Formen an. Forscher der University of the Ryukyus haben nun eine erschreckende Entdeckung gemacht, die zeigt, wie sehr Kunststoffabfälle bereits mit natürlichen Ökosystemen verschmelzen.
An drei Stränden auf Okinawa fanden die Wissenschaftler um Prof. James D. Reimer insgesamt fünf Proben eines neuen Phänomens: Geschmolzenes Polyethylen oder Polypropylen hat sich mit abgestorbenem Korallenschutt zu einem festen Verbund vereinigt.
Die Forscher tauften diese Gebilde "Plasticorals". Anders als bei anderen Formen von Plastikmüll liegt der Kunststoff hier nicht nur auf der Oberfläche - er ist in die Poren des Korallenskeletts eingedrungen und bildet mit dem Riffmaterial eine untrennbare Einheit.
Wie genau Plasticorals entstehen, ist noch nicht vollständig geklärt. Ein Fund lag direkt am Boden einer Feuerstelle am Sosu Beach. Die Wissenschaftler vermuten daher, dass Strandfeuer den Kunststoff erhitzen und so zum Schmelzen bringen könnten. Die Forscher sehen in den Funden auch potenzielle Marker für künftige geologische Untersuchungen. Da Plastik extrem lange in der Umwelt erhalten bleibt, könnten Plasticorals irgendwann dazu dienen, menschliche Plastiknutzung in Sedimentschichten nachzuweisen.